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21. November 2017 | 09:19 Uhr

Papa macht seinen Doktor

vom

svz.de von
erstellt am 08.Feb.2013 | 10:11 Uhr

Rostock | Studium mit Kind? Mathias Arbeiter (30) und seine Frau Daniela (31) würden sich jederzeit wieder dafür entscheiden. Die beiden Physiker waren 2008 gerade dabei, ihre Diplomarbeiten zu schreiben, als Sohn Jan zur Welt kam. Tochter Sarah wurde dann 2010 geboren. Keine Lehrveranstaltungen mehr, keine Praktika mehr - "wir waren flexibel in der Zeiteinteilung", sagt Mathias Arbeiter. Das sei im Berufsleben oftmals nicht mehr der Fall.

Nach seinem Studium entschied sich Mathias Arbeiter, an der Universität Rostock zu bleiben. Er promoviert seitdem am Institut für Physik. Seine Frau Daniela ist jetzt bei der Universitätsmedizin angestellt und arbeitet am Institut für Biomedizinische Technik in Warnemünde. Und die Geschwister Jan und Sarah besuchen die Kindertagesstätte Integral in der Steintor-Vorstadt. "Ein guter Kindergarten-Platz ist das A und O", sagt Mathias Arbeiter. Ohne ihn würden die Eltern nicht beides unter einen Hut bringen: er sein Promotionsstudium und sie ihren Job.

Babysitter-Agentur springt bei Bedarf ein

Aber auch die familienfreundlichen Bedingungen am Institut für Physik erleichtern den Eltern das Arbeiten und Leben. Mathias Arbeiter ist nach wie vor flexibel in seiner Zeiteinteilung. "Den Großteil der Arbeiten kann ich auch von zu Hause aus erledigen", sagt er. Hinzu kommt, dass der Professor, der ihn betreut, selbst Vater ist und Verständnis zeigt, wenn er zu Hause bleiben muss, wenn die Kinder zum Beispiel krank sind. Und dann gibt es da auch noch den Eltern-Kind-Raum im Institut.

Neben einem Wickeltisch befinden sich hier ein Bett, ein Tisch, ein Sitz und Spielzeug für die Kinder sowie ein Schreibtisch für die Eltern. Der Raum kann also vielseitig genutzt werden, sowohl von Mitarbeitern als auch von Studenten. Im neuen Hörsaalgebäude der Physik, das gerade auf dem Südstadt-Campus entsteht, soll es ebenfalls ein entsprechendes Familienzimmer geben, in dem Kinder betreut und Babys gewickelt und gestillt werden können, informiert Institutsmitarbeiterin Franziska Fennel. Des Weiteren soll dort ein Familienbüro eingerichtet werden, in dem Eltern arbeiten und Kinder spielen können. Darüber hinaus schuf das Institut für Physik schon 2011 innerhalb eines groß angelegten Forschungsprojekts zum Thema Licht und Materie ein zusätzliches Angebot der Kinderbetreuung. Dieses ermöglicht es Projektmitarbeitern, auch dann wichtige Termine wahrzunehmen, wenn die Betreuung nicht durch Tagesmütter oder Kindertagesstätten abgedeckt werden kann, sagt Fennel. Findet ein Seminar oder ein Kolloquium am späten Nachmittag statt, kümmern sich Mitarbeiter einer Babysitter-Agentur um die Kinder. Hierzu wurde erstmalig und bisher auch einmalig an der Universität Rostock ein Kooperationsvertrag zwischen der Hochschule und der Agentur geschlossen.

"Nach einer zweijährigen Laufzeit wird der Service inzwischen routiniert abgerufen", sagt Fennel. Elf Kinder und ihre Eltern hätten schon davon profitiert. Da die Rückmeldungen der Mitarbeiter positiv sind, soll das Angebot fortgesetzt werden, so die Physikerin. Finanziert wird die Betreuung über Mittel für Chancengleichheit und Familienförderung aus dem Forschungsprojekt.

Entscheidend ist das Verständnis

Auch wenn Mathias Arbeiter den Babysitter-Service für Jan und Sarah bislang lediglich während einer Vortragsreihe am späten Donnerstagnachmittag in Anspruch genommen hat, weiß er von Kollegen, die das häufiger tun. Einmal habe die Tagesmutter eines Mitarbeiterkindes Urlaub gemacht und die Agentur habe eine ganze Woche für Betreuung gesorgt. In der Mittagszeit habe der Kollege sein Kind dann im Eltern-Kind-Zimmer abgeholt und sei mit ihm in die Mensa essen gegangen. "Das ist eine schöne Sache", sagt Arbeiter. "Ich hoffe, dass das Vorbildcharakter haben wird."

Denn trotz seiner eigenen guten Erfahrungen im Studium mit Kind sieht der Physiker noch Verbesserungsmöglichkeiten an der Hochschule. "Teilzeit-Studien wären bestimmt eine gute Sache", sagt er. Sonst seien zum Beispiel das 3. und 4. Semester eines Physik-Studiums mit Kind wohl kaum zu meistern. Doch entscheidend für die Familienfreundlichkeit einer Hochschule sei nicht allein die Infrastruktur, sondern auch das Verständnis auf Seiten der Lehrenden, so Arbeiter. "Die Frage ist: Wie gut geht der Professor auf die individuellen Situationen und Bedürfnisse ein?"

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