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Norddeutsche Neueste Nachrichten

23. November 2017 | 03:10 Uhr

Rostock : Panzerturm schwebt ins Museum

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Sowjetischer T 34 wird Exponat in neuer Ausstellung

von
erstellt am 06.Mai.2015 | 08:00 Uhr

Es ist der 1. Mai 1945. Die 65. Armee der 2. Weißrussischen Front hat sich vor den Toren Rostocks positioniert, bereit, um die Stadt zu stürmen. Die meisten der Soldaten kommen über die noch intakte Petribrücke und über den Verbindungsweg in die Stadt, die sich kampflos ergibt. Nur an der Mühlendammbrücke gibt es eine Sprengung. Gegen 10.30 Uhr wird sie explodieren. Zu diesem Zeitpunkt befindet sich ein sowjetischer Panzer auf dem Mühlendamm. Acht Soldaten sterben.


Tagebuch gibt neue Erkenntnisse


Im November 2011, ganze 66 Jahre später, wird der Turm des Panzers vom Typ T 34 bei Bauarbeiten am Mühlendamm gefunden – im Schlamm der Warnow. „Im Kanonenlauf befand sich damals noch eine scharfe Granate. Sie wurde vom Munitionsbergungsdienst gesprengt“, weiß der Historiker Dr. Steffen Stuth. Nun soll dieses einzigartige Relikt aus vergangenen Tagen Teil der Ausstellung „Kriegsende, Befreiung, Neubeginn“ im Kulturhistorischen Museum werden. Am 8. Mai wird die Exposition eröffnet. Sie erinnert an den 70. Jahrestag der Befreiung vom Nationalsozialismus und des Endes des Zweiten Weltkriegs.

Der acht Tonnen schwere T 34 wurde bereits gestern mit einem Kran in den Garten des Museums gehoben. „Dieser Panzer-Typ wurde zu Tausenden im Zweiten Weltkrieg eingesetzt“, so Stuth. Und dennoch sei das geborgene Exemplar einzigartig: „Der Panzer konstruiert die Geschichte.“

Bei der Untersuchung des Panzers wurden auch Knochen gefunden. Diese Überreste der Panzerfahrer wurden 2012 auf dem Ehrenfriedhof am Puschkinplatz beigesetzt.

Zwei Monate soll der Panzerturm im Kulturhistorischen Museum bleiben, dann kommt er vorerst zurück auf ein städtisches Gelände. Zum 800. Geburtstag Rostocks soll er erneut in Szene gesetzt werden.

Neben dem Panzer aus dem Zweiten Weltkrieg beherbergt die Ausstellung noch ein zweites Herzstück: das Tagebuch des Panzerkommandanten Ivan Panarin. Das Dokument wurde erstmals aus dem Russischen übersetzt und enthält persönliche Schilderungen vom Ende des Krieges. „Panarin wurde erst sehr spät in den Krieg eingezogen. Zuvor arbeitete er bei der Feuerwehr in Leningrad. Er war dabei, als Städte wie Kolberg, Danzig oder eben auch Rostock befreit wurden“, erzählt Stuth.

„Man kann nur ahnen, warum er sich entschieden hat, Tagebuch zu führen. Es ist aber wahrscheinlich, dass er so die erlebten Gräuel verarbeiten wollte.“ Panarin schreibe von Tötungen, Plünderungen und überrollten Flüchtlingstrecks. „Es ist ein sehr berührendes Dokument – auch wenn man bedenkt, dass Tagebuchschreiben verboten war. Die Aufzeichnungen hätten schließlich dem Feind in die Hände fallen können.“ Stuth vermutet daher, dass Panarin erst nach Kriegsende seine Gedanken zusammengefasst hat. Die Ausführungen seien auch aus Sicht der Rostocker Stadtgeschichte bedeutende Dokumente. So hätten sie gezeigt, dass der sowjetische Oberst Dimitrewski, der lange Zeit als Befreier Rostocks gefeiert wurde, nicht die entscheidenden Befehle gegeben haben kann. „Er ist nicht am 1., sondern erst am 2. Mai 1945 in Rostock angekommen“, erklärt Stuth.

Dass Panarins Tagebuch überhaupt nach Rostock gekommen ist, war für das Kulturhistorische Museum ein Glücksfall. „Es gab Ausschnitte im Internet. Wir haben sie auf ihre Echtheit überprüft, unter anderem in russischen Archiven. Das Originalmanuskript bekamen wir von Panarins Tochter“, sagt Stuth. Nun wird es in der Schriftenreihe des Kulturhistorischen Museums veröffentlicht.

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