Universitätsmedizin Rostock : Palliativstation braucht mehr Betten

Enge Zusammenarbeit zwischen Arzt und Pflege: Oberärztin Dr. Christina Große-Thie (links) und Stationsleiterin Maria Steuck diskutieren über die Medikamente für die Patienten.
Enge Zusammenarbeit zwischen Arzt und Pflege: Oberärztin Dr. Christina Große-Thie (links) und Stationsleiterin Maria Steuck diskutieren über die Medikamente für die Patienten.

Medizin hat Platz für acht Patienten – zu wenig, findet Oberärztin Dr. Christina Große-Thie. Einblick in ihre Arbeit gibt es kommende Woche.

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03. März 2015, 14:00 Uhr

Was macht die Rostocker Palliativmedizin aus? „Die körperliche, seelische und soziale Betreuung“, sagt Dr. Christina Große-Thie, Oberärztin der Medizinischen Klinik III. Die Versorgung in Rostock sei zwar effizient, „doch wir haben zu wenig Betten“, so die 36-Jährige, die von 1997 bis 2003 in Rostock studiert hat. Auf der Palliativstation der Universitätsmedizin Rostock, Ernst-Heydemann-Straße 8, gibt es acht Betten, in der Südstadt-Klinik seien es weitere sechs bis acht. Darüber hinaus würden teilweise mehr als 20 Patienten ambulant betreut.

Die Fachärztin für Innere Medizin mit Zusatzqualifikation für Palliativmedizin ist bereits elf Jahre in der Onkologie tätig. Seit Entstehung der Palliativstation vor fünf Jahren arbeitet sie auch dort und begleitet unheilbar kranke Patienten und deren Familien. Neben ihr kümmern sich zwei weitere Ärzte auf der an die Onkologie angegliederte Station um die Schwerstkranken. Neun Krankenpflegerinnen, eine Psychologin, zwei Physiotherapeutinnen und eine Sozialarbeiterin vervollständigen das Stammpersonal. „Zusätzlich ist abschnittsweise eine Musiktherapeutin im Einsatz“, so Große-Thie. Dazu kommen Auszubildende der Pflegeberufe, Assistenzärzte, Medizinstudenten und Hospitanten. Außerdem nehme ein Krankenhausseelsorger regelmäßig an Teambesprechungen teil und besuche die Patienten.

Zur Palliativmedizin kam die Oberärztin durch ein persönliches Erlebnis. „Ich habe bei der Begleitung eines sehr nahen Verwandten gemerkt, wie schwierig das sein kann und wie schnell dabei die eigenen körperlichen und seelischen Grenzen erreicht werden“, erzählt die Ärztin. Jetzt betreut sie zu 90 Prozent Tumor-Patienten. Doch auch zu Menschen, die mehrere Schlaganfälle hinter sich haben, an schweren Herzerkrankungen, Parkinson oder fortgeschrittener Demenz leiden, baut sie eine Bindung auf und versucht, ihnen mithilfe von Schmerztherapie, Symptomkontrolle und psychosozialer Begleitung ein Stück Lebensqualität zurückzugeben. Die durchschnittliche Betreuung betrage Große-Thie zufolge durchschnittlich 30 Tage.

Aber wie gewinnt sie selbst Abstand von den Themen Sterben und Tod? „Ich versuche, die Arbeit nicht mit nach Hause zu nehmen“, sagt Große-Thie. Zum Abschalten verbringe sie Zeit mit ihrer Familie: „Mit drei Kindern steppt bei uns zu Hause der Bär, da komme ich kaum zum Grübeln.“ Außerdem stütze sich das Team der Rostocker Uni-Medizin gegenseitig – Supervision werde angeboten.

Neben zusätzlichen Betten für die teilweise bis zu sieben Patienten auf der Warteliste wünscht sich Große-Thie, die selbst an der Uni lehrt, „die kontinuierliche Weiterentwicklung der palliativen Lehre“. Sie freue sich, dass Palliativmedizin im Gegensatz zu ihrem Studium mittlerweile Pflichtfach sei.

Das Bewusstsein für Palliativmedizin in der Bevölkerung wächst. Zum Teil werde die Versorgung sogar durch Spenden finanziert, sagt die Oberärztin und verweist auf einen Rostocker Künstler, der den Erlös seiner Bilder gestiftet hat. Doch „potenzielle Patienten müssen uns früher vorgestellt werden“, fordert Große-Thie. Denn gute Palliativmedizin setze früh an, „da gibt es in Rostock noch Luft nach oben“.

Wer mehr über Palliativmedizin erfahren möchte, sollte den vierten Rostocker Palliativtag „Der Patient im Hier und Jetzt“ am 13. und 14. März auf dem Campus Ulmenstaße besuchen. Veranstalter ist der Interdisziplinäre Bereich für Palliativmedizin.

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