Pakete rühren Gefangene zu Tränen

<strong>Pastor Dieter Nath (v. r.) hat die Paket-Aktion</strong> zu Weihnachten ins Leben gerufen und gibt sie an den Gefängnisseelsorger Martin Kühn weiter. Anstaltsleiter Frank Grotjohann freut sich über die Bereitschaft von Menschen wie Dieter Schulz, Fritz und Doris Görß, Pakete zu packen. JVA-Mitarbeiter Michael Perkatz hat an Heiligabend die Päckchen mit ausgeteilt. <foto>Claudia Labude-Gericke</foto>
Pastor Dieter Nath (v. r.) hat die Paket-Aktion zu Weihnachten ins Leben gerufen und gibt sie an den Gefängnisseelsorger Martin Kühn weiter. Anstaltsleiter Frank Grotjohann freut sich über die Bereitschaft von Menschen wie Dieter Schulz, Fritz und Doris Görß, Pakete zu packen. JVA-Mitarbeiter Michael Perkatz hat an Heiligabend die Päckchen mit ausgeteilt. Claudia Labude-Gericke

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24. Januar 2013, 10:18 Uhr

Waldeck | Pastor Dieter Nath wird an der Pforte herzlich begrüßt. Die Wachleute der Justizvollzugsanstalt (JVA) Waldeck gratulieren dem Beseliner zu dessen 75. Geburtstag und händigen ihm einen Schlüssel für die Pforten aus. Das Vertrauen dafür genießt Nath seit Langem, schließlich war er von der Eröffnung der JVA im Jahr 1996 an bis heute in der Gefängnisseelsorge tätig.

Doch nun will er sich zurückziehen und gibt auch die Organisation der jährlichen Päckchen-Aktion zu Weihnachten in neue Hände. Quasi letzte Amtshandlung war am Dienstagabend die Dankeschön-Veranstaltung für diejenigen, die für Gefangene ohne soziale Kontakte ein Weihnachtspaket gepackt hatten. 1996 hat er die Aktion ins Leben gerufen. "Seitdem sind Waren im Wert von 24 000 Euro gespendet worden", sagt Nath. Aber es sei nicht leicht gewesen, Menschen dafür zu gewinnen, Straftätern etwas Gutes zu tun.

Selbstlosigkeit der Absender regt zum Nachdenken an

"Dabei kann es jeden treffen - denn was wir hier in der JVA haben, ist das Produkt gesellschaftlichen Fehlverhaltens", sagt der Pastor. Für diese Meinung habe er zwar schon Kritik geerntet, dennoch gebe es viele Menschen, die sich nicht beirren ließen und jedes Jahr zu Weihnachten etwas verschenkten. Mit 15 Paketen hat es angefangen - 2012 waren es 140, gefüllt mit Kaffee, Tee, Tabak, einem Buch, einer Kerze oder einem Gedicht. Der Warenwert lag dabei je zwischen 10 und 20 Euro. Die Absender waren zum größten Teil Privatpersonen, aber auch Firmen haben sich beteiligt. Die Reaktionen der Gefangenen sei jedes Jahr sehr emotional. "Da gibt es Männer mit Tränen in den Augen", berichtet JVA-Mitarbeiter Michael Perkatz, der Heiligabend zusammen mit dem Pastor und weiteren Helfern die Pakete verteilt hat. "Natürlich haben viele draußen für Leid gesorgt, aber dafür sind sie bestraft worden, deshalb sitzen sie hier", sagt Perkatz und ergänzt: "Wenn die sozialen Kontakte nach und nach abbrechen, fühlen sich die Gefangenen als die Vergessenen."

Die Pakete würden deshalb gerade zu Weihnachten, dem emotionalsten Fest des Jahres, etwas Abhilfe schaffen. "Außerdem setzen wir ein Zeichen, zeigen, dass man auch anders leben kann", sagt Nath. "Viele sind nicht gewohnt, dass ihnen jemand etwas Gutes tut, ohne eine Gegenleistung dafür zu erwarten."

Zu diesen Absendern gehören Doris und Fritz Görß. "Sicher gibt es viele, die sich fragen, warum man gerade den Straftätern etwas Gutes tun sollte", berichtet Gemeinderätin Görß von Reaktionen auf ihr Engagement. Aber als sie vor zwei Jahren bei der Dankeschön-Veranstaltung dabei war, hätte die Begegnung mit den Gefangenen sie in ihrem Tun bestärkt. "Es ist keiner davor gefeit, in so eine Situation zu kommen. Das muss nicht immer mutwillig sein, sondern kann auch aus Fahrlässigkeit passieren", sagt Fritz Görß.

Anstaltsleiter Frank Grotjohann ist froh über das Engagement der Bevölkerung. Und auch darüber, dass die Aktion weitergeführt wird. "Die damit gezeigte Selbstlosigkeit rührt unsere Gefangenen", so Grotjohann. Und das bewirke bei so manchem vielleicht auch ein Umdenken.

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