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19. Oktober 2017 | 22:18 Uhr

Ostseebad mit Hindernissen

vom

svz.de von
erstellt am 04.Okt.2012 | 09:34 Uhr

Warnemünde | Das Ostseebad ist für Renate Reingraber mit das schönste Ziel überhaupt. Allerdings birgt es für die Rollstuhlfahrerin Tücken wie desolates Pflaster, Treppen, herausragende Baumwurzeln, Schwellen und Werbeaufsteller. Als positiv denkender Mensch erkennt sie das Bemühen der örtlichen Unternehmer an, die sich für Barrierefreiheit einsetzen.

Gemeinsam mit Rostocks Behindertenbeauftragter Petra Kröger und Manuela Pursche vom Blinden- und Sehbehinderten-Verband haben gehandicapte Menschen wie Renate Reingraber nun das Ostseebad inspiziert. Ihr Fazit: Vieles hat sich getan, an anderen Stellen gibt es aber noch Nachholbedarf.

Geschäftsleute um Barrierefreiheit bemüht

Schon beim Blick durch die Mühlenstraße wird die Gruppe aufmerksam: "Es gibt Läden, die sich etwas einfallen lassen, damit Menschen mit Rollstuhl herein kommen", sagt Petra Kröger. Viele improvisieren, um die Schwellen zu oder in den Geschäften befahrbar zu machen. "Auch wenn es nicht alles normgerecht ist, zählt das Bemühen", sagt die Fachfrau. Das gilt auch für den Seiteneingang der Kirche. Noch birgt er Stolperfallen, aber das soll sich durch die Umgestaltung des Platzes ändern.

Was die Geschäftsleute nicht beachten: Werbeaufsteller erschweren Rollstuhlfahrern, Blinden und Sehbehinderten den Durchgang oder werden zur Gefahr. Positiv hervorzuheben seien nach der Ortsbegehung die Rampe zur Post, die Sparkasse und das Lokal Casa Mia mit einer Schwelle zu den Außenplätzen und einem Behinderten-WC. Bei der Strandoase Treichel gelangen Rollstuhlfahrer auf Spezialmatten sogar an den Strand und zu den Körben. Es gibt ein Behinderten-WC und eine Rampe zur Strandversorgung. "Durch wechselnde Wasserstände reichen die Matten nicht noch weiter nach vorn, sonst schwimmen sie bei Hochwasser weg", sagt Matthias Treichel. Er tüftelt an einer Lösung, die von Dauer ist.

Schlechte Beispiele gebe es aber auch: Das Podest, das bei der Mittelmole nachträglich vor Geschäfte und Lokale gebaut wurde, ist nicht komplett befahrbar. Oft stehen dort Blumenkästen oder Aufsteller im Weg und verwehren Behinderten den Zugang. Unzufrieden sind die Ortstester auch mit der Situation am Bahnhof. "Der Ausbau des Tunnels ist trotz der Dringlichkeit auf 2016 verschoben", sagt Kröger. "Das ist schlimm an diesem stark frequentierten Ort."

Für Rollstuhlfahrer ist eine Alternative über den Parkplatz der Wiro geschaffen worden. Dabei sorgen oft schon kleine Maßnahmen für große Effekte: Am Neuen Strom sind die Bäume mit Steinen eingefasst. "Dadurch können Sehbehinderte und Blinde mit Langstock nicht gegen Bäume laufen", erklärt die Behindertenbeauftragte. Wichtig sei es, Poller oder Treppen mit Kontraststreifen zu versehen.

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