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23. September 2017 | 04:03 Uhr

Ostsee-Grenzturm erzählt Geschichte

vom

svz.de von
erstellt am 17.Jun.2013 | 07:26 Uhr

Kühlungsborn | Der Ostsee-Grenzturm, am Kühlungsborner Strand gelegen, belegt einen Teil der Geschichte in der ehemaligen DDR und gibt Besuchern die Gelegenheit, einen Blick hinter die Kulissen dieser Vergangenheit zu werfen.

Durch den Grenzturmverein und Anwohner der Stadt Kühlungsborn wurde 1990 der Ostseegrenzturm vor dem Abriss bewahrt und als Denkmal erhalten. Gegenwärtig und in Zukunft wird der Turm schrittweise restauriert und zu einem Begegnungsort entwickelt. Viele Frauen und Männer, die die DDR verlassen wollten, begannen ihre Flucht in Kühlungsborn. Nicht alle schafften es in den Westen. Einige wurden aufgegriffen oder ließen ihr Leben. Das Archiv des Grenzturmvereins hat viele Ereignisse statistisch festgehalten und ein vielseitiges Dokumentationsmaterial gibt Einblick in das Kontrollsystem mit Folgen. Viele Fluchtversuche an der Kühlungsborner Küste sind archiviert worden.

Ziel der Fliehenden waren die Küsten Schleswig Holsteins und Dänemarks. 15 Menschen erreichten laut Statistik das andere Ufer, eine bis dato noch unbekannte Anzahl Menschen starb tragischerweise beim Fluchtversuch. Die überwiegende Mehrzahl wurde aber schon aufgegriffen, bevor sie den Strand verlassen konnte. Zahlreiche Schicksale sowie die alltäglichen Maßnahmen für die Anwohner und Urlauber an der Ostseegrenze in Kühlungsborn widerspiegelt das Vereins-Archivs.

Die Grenzbrigade Küste war zwischen 1961 und 1989 im Ostseebad Kühlungsborn stationiert und bereits im Landesinnern wurde durch Polizei und Stasi auf "verdächtige Personen" geachtet. Urlauber hatten sich an besondere Pflichten und strenge Gesetze zu halten. Diese regelten die Meldepflicht, den Badebetrieb und Übernachtungen. Insbesondere die Benutzung aller Arten von Wasserfahrzeugen unterlag der Kontrolle. Die "Grenzbrigade Küste" war allgegenwärtig, denn 70 Beobachtungsstellen wurden im gesamten Küstenbereich eingerichtet. Freiwillige Grenzhelfer unterstützen die Streifen der mit Maschinenpistolen bewaffneten Soldaten. Schäferhunde begleiteten die Patrouille am Strand. Einsatzfahrzeuge mit umfangreicher Technik und mobile Scheinwerferanlagen waren im Bedarfsfall schnell vor Ort. Mienensuch- und Räumschiffe waren ein Bestandteil der Seebewachung, die im Morgengrauen und nachts ein festgelegtes Gebiet nach Flüchtenden absuchten.

Der Grenzverein ermöglicht geschichtliche Führungen mit Besichtigung des Turmes. Hier wird die Technik der Grenzüberwachung, der Ausstellung mit Zeitzeugenberichten von Flüchtenden und ehemaligen Grenzsoldaten, sowie Originalexponaten ergänzt.

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