zur Navigation springen

Versuchter Totschlag nach Beleidigung bei Facebook : Opfer mit zehn Stichen verletzt

vom

Wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung muss sich seit gestern der Rostocker Michael H. (19) vor Gericht verantworten. Er soll mit einem Butterfly-Messer mehrfach auf sein Opfer eingestochen haben.

svz.de von
erstellt am 11.Sep.2013 | 10:09 Uhr

Rostock | Wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung muss sich seit gestern der Rostocker Michael H. (19) vor dem Rostocker Landgericht verantworten. Er soll am 21. März 2012 und am 5. Februar 2013 mit einem Butterfly-Messer mehrfach auf den 24-jährigen Berliner Fahrradmonteur Daniel L. eingestochen haben. Zum Glück bestand keine Lebensgefahr. Der Angeklagte habe aber den Tod seines Opfers billigend in Kauf genommen, heißt es in der Anklageschrift. Er selbst schweigt bisher zu den Anschuldigungen.

Anlass des Geschehens war die Beleidigung einer Freundin von Daniel L., für die er Gefühle wie zu einer kleinen Schwester hege und damit eine Beschützerrolle einnehme, sagte dieser gestern als Zeuge aus. Sie sei vor einem Jahr von dem Angeklagten für alle Welt nachlesbar auf Facebook beschimpft worden. Nach einer zunächst verbalen Auseinandersetzung am 21. März 2012 sei der Angeklagte von hinten an ihn herangetreten und habe ihm einen Stich in den Rücken und einen in den Nacken versetzt. Am 5. Februar ging es wieder um dieselbe Sache. Es sei eher ein zufälliges Zusammentreffen gewesen. Rachegefühle seien ihm aber sofort hochgekommen, als er den Angeklagten sah, sagt Daniel L. Unumwunden gab er zu, dass er auf den Angeklagten einschlagen wollte, was der aber abwehren konnte. Beide landeten auf dem Boden, wälzten sich herum. Erst nach dem sechsten Stich habe er Blut bemerkt und Schmerzen in der Schulter gespürt. Die nächsten vier Stiche gingen in den Rücken. Einige Zeugen beschrieben ausholende Armbewegungen, mit denen die Stiche ausgeführt wurden. Sie hätten während der Rangelei plötzlich einen Schrei gehört sowie die Worte: "Ich bin angestochen worden." Der Angeklagte sei mit dem Messer in der Hand weggelaufen. Daniel L. kam ins Krankenhaus und verließ es nach zwei Tagen. Die Fäden der zehn Stichwunden zog er sich nach 14 Tagen selbst.

Der medizinische Sachverständige Dr. Ulrich Hammer von der Rechtsmedizin der Uni Rostock belegte in seinem Gutachten, dass keine lebenswichtigen Gefäße oder inneren Organe des Opfers verletzt wurden und bleibende Schäden nicht zu erwarten wären. Der Angeklagte habe zur Tatzeit weder unter Alkohol noch unter Drogen gestanden.

Michael H. ist trotz seines jugendlichen Alters schon mehrfach mit den Gesetzen in Konflikt geraten. Seit seinem 14. Lebensjahr verbrachte er bereits Jahre hinter Gittern, unter anderem wegen schweren Raubes, räuberischer Erpressung und gefährlicher Körperverletzung. Bewährungsstrafen mussten mehrmals widerrufen werden. Seit dem 6. Februar sitz er in U-Haft. Der Prozess wird am Montag fortgesetzt.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen