Obdachloser erfriert im Rosengarten

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01. November 2012, 06:51 Uhr

Stadtmitte | In der Nacht zu gestern ist ein obdachloser Mann im Rosengarten erfroren. Ein Passant hatte den 54-Jährigen gegen 4.30 Uhr entdeckt und umgehend den Rettungsdienst zu Hilfe gerufen. Der Notarzt konnte allerdings nichts mehr gegen dessen Unterkühlung ausrichten - zu dem Zeitpunkt herrschten Temperaturen um die zwei Grad Celsius. "Der Mann ist noch am Ort verstorben", sagt Polizeisprecherin Dörte Lembke. Hinweise auf ein Verbrechen oder die Einnahme von Drogen oder Alkohol gebe es ersten Erkenntnissen zufolge keine. "Alles Weitere muss jetzt das rechtsmedizinische Gutachten klären", so Lembke.

Der Mann war im betreuten Wohnen der Obdachlosenhilfe Rostock untergebracht, wurde dort aber schon vermisst. "Er war länger als drei Tage unabgemeldet weg", sagt Sozialpädagogin Irene Koczor. Daher hatten die Mitarbeiter bereits routinemäßig die Suche aufgenommen, in Kliniken und bei der Polizei nachgefragt - ohne Erfolg. "Grundsätzlich dürfen sich unsere Bewohner frei bewegen", sagt Koczor. Es komme öfter vor, dass sie für mehrere Tage verschwinden, etwa wenn sie mit einem der anderen Bewohner Streit gehabt hätten. Dann kämen sie aber häufig bei Freunden oder Verwandten unter. Und auch sonst gebe es genügend Hilfsmöglichkeiten für die Betroffenen. "Es muss keiner draußen schlafen", so Koczor. Wenn, dann gehe das auf eine freie Entscheidung zurück.

Im betreuten Wohnen der Obdachlosenhilfe stehen 66 Plätze zur Verfügung. "Die sind derzeit ausgelastet, aber wir haben Notbetten und nehmen grundsätzlich auf, wenn jemand vor der Tür steht", sagt Koczor. Die Kosten für den Aufenthalt übernehme in der Regel das Sozialamt. Darüber hinaus können sich Betroffene auch an die Obdachlosenunterkunft der Diakonie im Hawermannweg wenden oder im Nachtasyl am Güterbahnhof Unterschlupf finden. Außerdem betreibt die Obdachlosenhilfe einen Straßensozialdienst, der die Hilfe direkt zu den Betroffenen bringt. Dessen Mitarbeiter fahren regelmäßig feste Stellen im Stadtgebiet an. "Dort haben die Betroffenen die Möglichkeit, einen heißen Kaffee oder mal eine Bockwurst zu bekommen. Außerdem können sie bei den Sozialarbeitern Hilfebedarf bei der Kleidung anmelden und bekommen Decken", sagt Koczor.

Neben den festen Anlaufstellen klappern die Mitarbeiter aber auch bekannte Aufenthaltsorte Obdachloser ab und fragen nach, ob bei ihnen alles in Ordnung ist. Um die Betroffenen überhaupt zu finden, sind sie unter anderem auf Tipps aus der Bevölkerung angewiesen. Belastbare Zahlen, wie viele Obdachlose es in Rostock derzeit gibt, existieren nicht. Die letzte Erhebung des Sozialamts liege bereits mehrere Jahre zurück und sei deswegen nicht mehr zu verwenden, so Koczor.

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