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Norddeutsche Neueste Nachrichten

12. Dezember 2017 | 15:05 Uhr

Wirtschaft : Ob Railport oder Netzwerkbahn

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Experten sehen Potenziale beim Schienengüterverkehr im Hafen. Verbesserungsbedarf besteht bei der Hinterland-Anbindung

svz.de von
erstellt am 11.Jun.2014 | 12:00 Uhr

Der Eisenbahnfährverkehr ist in den vergangenen Jahren auch in Mecklenburg-Vorpommern deutlich zurückgegangen. Waren es vor zehn Jahren noch mehr als 60 000 Waggons, die mit Fährschiffen über die Häfen Sassnitz und Rostock befördert wurden, so ging die Menge im vergangenen Jahr auf nur noch knapp die Hälfte weiter zurück. Etwa 20 000 Einheiten davon entfielen auf Sassnitz und 7500 auf Rostock. Der Schienengüterverkehr spielt für die wirtschaftliche Entwicklung Mecklenburg-Vorpommerns aber weiterhin eine wichtige Rolle. Neben verbesserten infrastrukturellen Bedingungen tragen dazu auch die Aktivitäten der Eisenbahnverkehrsunternehmen bei, wie eine Veranstaltung der Verkehrswissenschaftlichen Gesellschaft in der vergangenen Woche veranschaulichte.
Die Stena-Line, die inzwischen den Eisenbahnfährverkehr von und nach Schweden betreibt, bündelt ihre entsprechenden Kapazitäten aktuell ab Juni über den Seehafen Rostock, wo genau vor 20 Jahren der Eisenbahnfährverkehr aus der Taufe gehoben wurde – über die Königslinie lief er seit 1909. Eisenbahnexperten wie Dr. Bernd R. Pahnke, Hafenbeauftragter bei DB Schenker Rail, machten vor dem Forum in der IHK zu Rostock aber kein Hehl daraus, dass der Trajektverkehr der Waggons nicht die modernste Form der Logistik sei und wegen der festen Querungen – sei es über Öresund oder Großen Belt – auch keine Renaissance mehr erwartet werde. Die Häfen in MV aber sind auch dank der Anbindung ans Schienennetz zum Hinterland für weitere Güterströme gut gewappnet, wie Arvid Kämmerer, Regionalbeauftragter der DB Netz Ost, verdeutlicht. Er belegt das mit dem Ausbau der Strecke Rostock–Berlin, wo mit dem Sommerfahrplan die Züge schneller – bis 160 Kilometer pro Stunde – fahren können und die Radsatzlast auf 25 Tonnen und die Überholungsgleise auf 750 Meter ausgebaut wurden. Da die Regionalzüge aber laut Schweriner Bestellung auch das Mittelzentrum Güstrow ansteuern, wird das nur im Intercity-Verkehr den Reisenden deutlich. Zwischen Rostock-Hauptbahnhof und Berlin-Birkenwerder aber ist der Ausbau getan, zum Seehafen soll er von Kavelstorf in den nächsten Jahren noch folgen.

Der Ausbau einer Teilstrecke des mangels Auslastung gestrichenen Verkehrsprojekts Deutsche Einheit Nr. 1 Lübeck–Stralsund wäre als Bypass zur künftigen Verbindung über den Fehmarnbelt auch über MV möglich, so Kämmerer mit Fingerzeig auf den Abschnitt Lübeck–Bad Kleinen. Während Verkehrsexperten wie Dr. Gernot Tesch damit eine Gefahr der Abkoppelung der Häfen Rostock und Sassnitz befürchten, wird für die heimischen Hafenstandorte allenthalben der geplante Ausbau der Strecke Berlin–Dresden als wichtig gewertet.

In den Netzplanungen der EU ist Rostock im Korridor Nr. 7 vom Orient zur Ostsee eingebunden. Das Fassungsvermögen im Elbtal, wo jetzt schon 70 bis 80 Züge täglich rattern, sei aber begrenzt. Lärmemissionen sind generell zu minimieren, so Dr. Pahnke, der einen Überblick über moderne Formen des Schienengüterverkehrs für die Hafenentwicklung gab.

Dabei skizzierte er die aktuellen Herausforderungen bis hin zur Entwicklung neuer Produktionsmodelle wie die Netzwerkbahn, um die Verkehre noch wirtschaftlicher zu betreiben. Die Steuerung der Vorteile unterschiedlicher Verkehrsträger am Beispiel des Railports Hafen Rostock veranschaulicht Gunnar Scholtz, Leiter der Geschäftsstelle Güstrow von DB Schenker Logistics.

Der Railport war in der jetzigen Form 2012 eröffnet worden, nachdem 2009 im Zuge der Neugestaltung des Fährterminals die zuvor genutzte Kaihalle 8 weichen musste. Auf einem 11 000 Quadratmeter großen Areal mit diversen Gleisen, Rampen und Logistikbereichen laufen hier die Verladeprozesse der Trailer, wurden zum Beispiel für den Papierumschlag eigens spezielle Technologien entwickelt.
Nur 200 Meter vom Railport entfernt, befindet sich das Terminal von Rostock Trimodal. Seit Mai 2012 ist dieses Terminal für den Kombinierten Verkehr südlich von Pier I bei laufendem Betrieb umgebaut worden. Zudem wurde ein rechnergestütztes Stellplatzverwaltungssystem eingerichtet. Die insgesamt fünf Gleise werden durch zwei neue, kurventaugliche 35 Meter hohe Portalkräne mit einer Spannweite von 76,5 Meter bedient. Eine Verdoppelung der Umschlagkapazität auf über 140 000 Einheiten pro Jahr ist nun möglich. Gegenwärtig rollen 35 Kombiverkehrszüge von und nach Verona, Brno, Novara, Domodossola und Wels sowie Hamburg (Karlsruhe).

Der Hafenplatz Rostock ist für größere rollende Frachtmengen gut gerüstet. Für weitere Verbesserungen der Hinterland-Anbindungen sind aber durch die Bahn noch einige Lücken zu schließen.

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