zur Navigation springen
Norddeutsche Neueste Nachrichten

24. November 2017 | 06:55 Uhr

Nutztiere sind intelligenter als gedacht

vom

svz.de von
erstellt am 09.Jul.2013 | 09:03 Uhr

Rostock | Blöde Ziege, dumme Gans, doofe Kuh: Der Mensch traut Nutztieren eher wenig Intelligenz zu. "Stellt man ihnen allerdings die richtigen Aufgaben, beweisen sie eine hohe Lernfähigkeit", sagt Dr. Susann Meyer. Am Beispiel von Zwergziegen hat die 27-jährige Wissenschaftlerin am Institut für Verhaltensphysiologie des Leibniz-Instituts für Nutztierbiologie (FBN) in Dummerstorf herausgefunden, dass Ziegen beachtenswerte kognitive Fähigkeiten haben.

In den Ställen stand während der Versuche 24 Stunden am Tag ein Lernautomat zur Verfügung, sodass er von jedem einzelnen Tier nach eigenem Ermessen betreten werden konnte. "Um herauszubekommen, was Ziegen können, muss man etwas finden, was sie unbedingt haben wollen. In diesem Fall ist es Wasser, was auch nur am Lernautomaten für die Ziegen zur Verfügung stand", so die Wissenschaftlerin.

Lerneffekt setzt schnell ein

Da die Tiere sehr gute visuelle Fähigkeiten besitzen, werden ihnen im Lernautomaten auf einem Bildschirm Aufgaben in Form von vier verschiedenen Symbolen angeboten, deren Anordnung nach jeder Wahl verändert wurde. Bei der Wahl des als richtig definierten Symbols bekommt die Ziege als Belohnung eine Portion Trinkwasser. "Die Ziegen lernen sehr schnell die Symbole zu unterscheiden und wissen, welches eine Belohnung verspricht", sagt Meyer. Bei der ersten Aufgabe einer solchen Art brauchen die Tiere etwa zehn Tage, um sich mit den Symbolen vertraut zu machen, und wählen zwischen 150- und 250-mal am Tag am Lernautomaten.

Nach mehreren Tagen bekommen die Tiere dann jeweils eine neue Aufgabe, die wieder aus vier anderen Symbolen besteht, angeboten. "Weil die Tiere gelernt haben, dass ein Symbol eine Belohnung verspricht, bekommen sie dann schneller heraus, welches das ist." Nach nur wenigen Aufgaben wählen die Ziegen nur noch 30- bis 40-mal am Tag und decken durch die hohe Anzahl an Richtigwahlen ihren täglichen Bedarf an Wasser.

Über solche visuellen Wahlaufgaben konnte beispielsweise nachgewiesen werden, dass Zwergziegen, genauso wie die Menschen, in Kategorien denken. "Wir sehen auf einen Blick, dass es sich, egal mit welcher Farbe oder Größe, beispielsweise um einen Stuhl handelt. Zwergziegen können auf Grund einer bestimmten Gemeinsamkeit verschiedenste Symbole unterscheiden", sagt Meyer. Solche kognitiven Herausforderungen im Stallalltag dienen zudem der Beschäftigung der Tiere, die sich wiederum positiv auf ihr Wohlbefinden auswirkt.

Dreisilbige Namen werden locker gelernt

Anders ist es bei Schweinen. Im Vergleich zu Ziegen verfügen die Borstentiere über bessere akustische als visuelle Fähigkeiten. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass die Tiere innerhalb weniger Tage einen individuellen Ton oder einen dreisilbigen Namen lernen, mit dem sie einzeln zum Futtertrog gerufen werden. "Selbst in Gruppen von 60 Tieren reagiert ein Schwein, wenn es mit seinem Namen aufgerufen wird", sagt Meyer. Durch diese Form der Beschäftigung konnten Fleischqualität und Wundheilung verbessert werden, die Aggressivität flaute ab und die Tiere sind aktiver.

Für ihre Untersuchung an den Zwergziegen und deren Lernfähigkeiten erhält Meyer im November den Forschungspreis der Internationalen Gesellschaft für Nutztierhaltung.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen