Notfallplan für das Volkstheater

„Volkstheater muss sein...“: Der Theaterförderverein und seine Vorsitzende Antje Jonas rufen zu einer Unterschriftenaktion auf. Foto: Dana Bethkenhagen
„Volkstheater muss sein...“: Der Theaterförderverein und seine Vorsitzende Antje Jonas rufen zu einer Unterschriftenaktion auf. Foto: Dana Bethkenhagen

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10. Januar 2013, 08:11 Uhr

Rostock | Am Dienstag ist der Tag der Entscheidung. Denn dann müsste die Volkstheater Rostock GmbH Insolvenz anmelden, sollte das Loch im Etat bis dahin nicht gestopft sein. Nach dem Besuch des Insolvenzberaters arbeiten die Theater-Geschäftsführung und die Stadtverwaltung nun unter Hochdruck. Die bei der Besprechung unterbreiteten Vorschläge darüber, wie das Theater sparen, Einnahmen generieren oder zumindest seine Bilanz aufwerten kann, müssen geprüft werden.

Bislang beharrt die Stadtverwaltung auf ihrem Standpunkt, das Theater müsse sein Defizit aus eigener Kraft ausgleichen. Was das bedeuten könnte, wird mehr und mehr bekannt. Denn auf der Vollversammlung am Montag rechnete Theater-Geschäftsführer Stefan Rosinski mögliche Szenarien vor. So könnte das Tanztheater gänzlich dem Rotstift zum Opfer fallen. Dies käme einer Schließung der Sparte gleich, die mittlerweile seit Jahren zur Disposition steht. Darüber hinaus würde ein Einstellungsstopp das Schauspielensemble um knapp die Hälfte reduzieren. Und auch im Bereich des Orchesters würden Stellen eingespart werden müssen. Doch auch diese drastischen Kürzungen würden das geplante Minus nicht aufwiegen, wie Rosinski erklärte.

Zeitgleich hat die Fraktion Rostocker Bund/Graue/Aufbruch 09 eine Sondersitzung der Bürgerschaft für Dienstag beantragt. Sie soll abgehalten werden, falls die von der Stadtverwaltung und der Theaterleitung erarbeiteten Maßnahmen weder umsetzbar noch tragfähig seien. So könnte die Bürgerschaft quasi in letzter Minute noch das nötige Geld zuschießen und eine Insolvenz abwenden. Fraktionsvorsitzende Dr. Sybille Bachmann will dafür einen Antrag zur Diskussion stellen, in dem sich die Hansestadt verpflichtet, der Volkstheater GmbH im Laufe des Jahres bis zu 1,3 Millionen Euro zuzuschießen, um das Minus auszugleichen. Diese Versicherung würde ausreichen, um das Theater vor der Pleite zu retten. Denn neben einer positiven Fortführungsprognose kann die angekündigte finanzielle Unterstützung des Gesellschafters - in diesem Fall die Hansestadt Rostock - die Volkstheater GmbH vor der Insolvenz bewahren.

Und im Grunde entspricht dies den zwei Beschlüssen, die die Bürgerschaft Ende 2012 bereits gefasst hatte. Dagegen hatte Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos) allerdings Widerspruch eingelegt. Für diese Ausgabe fehle eine Deckungsquelle im Haushalt der Stadt, begründete der Rathaus-Chef. Bachmann fordert Methling dazu auf, seinen Widerspruch zurückzunehmen. Außerdem appelliert sie an Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD), den vor Weihnachten in Aussicht gestellten Landeszuschuss in Höhe von 500 000 Euro zu zahlen. Mit diesem Geld wäre der Etat 2013 ausgeglichen. Und der Spielbetrieb sowie die Stellen der Tänzer, Musiker und Schauspieler vorerst gesichert. Die Stimmung unter den Mitarbeitern sei in jeden Fall kämpferisch, berichtet Chefchoreograf Bronislav Roznos.

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