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Norddeutsche Neueste Nachrichten

22. November 2017 | 21:43 Uhr

Hafen Rostock : Nordwesten soll mit Gestank leben

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Staatliches Amt für Landwirtschaft stuft Belastung als zulässig ein. Vermutlicher Verursachender Power Oil will Anlage weiter optimieren.

von
erstellt am 26.Sep.2016 | 08:00 Uhr

Der Nordwesten hatte wieder mit herben Gerüchen zu kämpfen – beißend, säuerlich oder wie alte Kartoffeln, so beschreiben es Anwohner. Dem Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt Mittleres Mecklenburg (Stalu MM) liegen Beschwerden aus Groß Klein, Schmarl und Lichtenhagen vor. Wahrscheinlicher Verursacher: das Raps verarbeitende Unternehmen Power Oil aus dem Überseehafen – so wie vor fast einem Jahr und auch bei Ostwind.

„Über den Winter hatten wir gedacht, das Problem wäre gelöst“, sagt Anwohner Hans-Joachim Schiwek aus Groß Klein. Aber als es wärmer wurde, sei auch der Geruch wiedergekehrt, vor allem in den ersten warmen Tagen des Septembers und über zehn Tage. „Es war unerträglich bei der Hitze“, sagt Schiwek. Das Gefühl von einer pelzigen Zunge und geschwollenen Lippen machten es ihm und anderen nicht gerade behaglich daheim. Beim sozialen Netzwerk Facebook tauschten sich Anwohner in der Gruppe „Rostock stinkt’s gewaltig“ aus – haben ähnliche Erfahrungen, klagen über Kopfschmerzen, einige sogar über Brechreiz und fordern, dass das aufhört. „Systematisch (...) sind die Erwartungen in der Bevölkerung an dieser Stelle auch verfehlt“, sagt Stalu-Leiter Jean Weiß. Das Amt achte bereits bei der Genehmigung und später bei der Überwachung der Anlagen auf deren ordnungsgemäßen Betrieb nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz. Gegenwärtig bewege sich die Geruchsbelastung im zulässigen Bereich. So sei auch eine Stilllegung, die Weiß letztes Jahr als ultima ratio nannte, „nach gegenwärtigem Kenntnisstand weder rechtssicher begründbar noch angemessen und verhältnismäßig“, sagt er heute. Das Gesetz sehe keine „Null-Emissionen“ vor. Es dürften nur zehn Prozent der Jahresstunden (876 Stunden) an Geruchshäufigkeit nicht überschritten werden. Das sei auch nicht der Fall. „Das ist aber den Beschwerdeführern insbesondere schwer vermittelbar“, sagt Weiß. Von den Geruchsimmissionen, betont er, würden keine Gefahren für die Bevölkerung ausgehen.

In der Anlage werde „an permanenten Verbesserungen gearbeitet“ , sichert Power-Oil-Sprecher Claus Bohling zu „ohne zum Teil sechsstellige Investitionen zu scheuen“. 2015 seien die Prozessbedingungen noch abgemildert und die Gerüche seit Dezember gesenkt worden. Im ersten Halbjahr 2016 sei die bestehende Abluftreinigungsanlage, ein Biofilter, der mit Bakterien die Geruchsstoffe zerstört, durch einen verbesserten chemischen Wäscher ergänzt worden. Jetzt soll eine neue Abluftreinigungsanlage installiert werden. Damit erwarte auch das Stalu „noch einmal eine deutliche Reduzierung der Emissionen der Anlage“, so Jean Weiß. Seine Mitarbeiter würden versuchen, Fragen auch aufgebrachter Bürger sachlich zu beantworten. Vielen Anwohnern reicht das nicht, still ertragen wollen sie den Gestank nicht und führen bereits Protokoll.


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