Noch mehr Kaikante im Ex-Schlachthof

27 Hektar Gewerbefläche liegen brach in Bramow. Das will die Stadt nun ändern. Der Ortsbeirat fürchtet jedoch einen Strom von Lkw in der KTV.Hansestadt Rostock
27 Hektar Gewerbefläche liegen brach in Bramow. Das will die Stadt nun ändern. Der Ortsbeirat fürchtet jedoch einen Strom von Lkw in der KTV.Hansestadt Rostock

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13. September 2012, 08:18 Uhr

Rostock | Kaikanten sind Goldstaub in Rostock. Das weiß auch die Stadtverwaltung. Darum will das Stadtplanungsamt eine Brachfläche in direkter Nachbarschaft zum Fracht- und Fischereihafen für die gewerbliche Nutzung erschließen - inklusive Kaianlagen. Unter dem Namen "Ehemaliger Schlachthof" soll ein Bebauungsplan erstellt werden, der sich über das Gebiet vom Fischereihafen bis zum Klärwerk Bramow erstreckt. Innerhalb dieses Areals befinden sich rund fünf Hektar in städtischem Besitz, die zu hochwertigen Gewerbeflächen entwickelt werden sollen.

Ortsteilvertreter fürchten Lkw-Verkehr

Angelika Schabehorn vom Stadtplanungsamt hat diese Vorhaben am Mittwoch im Ortsbeirat KTV vorgestellt. Die Mitglieder des Gremiums zeigten sich zunächst angetan von der Idee, die Brachfläche zu erschließen. Schabehorn erklärte, das Gewerbegebiet solle Unternehmen, die im Fischereihafen ansässig sind und sich erweitern wollen, als Fläche angeboten werden.

Die Baltic-Taucher sowie die Firma Standard Aggregatebau AG hätten bereits Interesse bekundet, so die Stadtplanerin. Für beide sei die Erweiterung der Kaianlagen wichtig. Denn die Baltic-Taucher nutzen diese, um mit ihren Spezialbooten anzulegen. Die Aggregate-Bauer, so Schabehorn, wollen den Anschluss zum Seeverkehr ausbauen. Neben bereits ansässigen Firmen sollen für das Gewerbegebiet neue Investoren gewonnen werden. Denn die insgesamt 27 Hektar große Fläche, die der B-Plan umfasst, bietet sich für Unternehmen mit großem Platzbedarf an. In diesem Ausmaß seien Gewerbeflächen Mangelware, erklärt Schabehorn.

Ein potenzieller Investor sei hier eine Firma für Erdbau und Transporte, die bereits Interesse gezeigt habe, wie die Stadtplanerin berichtete. Das Unternehmen handle unter anderem mit Kies. An diesem Punkt wurden die Ortsbeiratsmitglieder hellhörig. Hatten sie bis dahin einhellig für die Erschließung des Gewerbegebiets plädiert, wurden nun Bedenken laut. "Das ist ja richtiger Schüttgutumschlag", betonte Ortsbeiratsvorsitzende Anette Niemeyer (Aufbruch 09). "Und die Lkw fahren dann alle durch unseren Stadtteil." Gerade die Werftstraße, die hin zu dem geplanten Gewerbegebiet führt, ist dafür nicht ausgelegt, zumal hier auf dem Gebiet der ehemaligen Neptun-Werft hochwertige Wohnungen entstanden sind.

Ortsbeiratsmitglied Fabian Rüsch (FDP) spitzte diese Vorbehalten noch einmal zu, indem er bemerkte: "Es scheint, weil man sich im Überseehafen nicht einig wird, wird nun der Fischereihafen unzureichend ertüchtigt." Denn bezüglich des Überseehafens denkt die Stadt schon lange über eine Erweiterung nach. Damit stieß sie auf heftigen Widerspruch bei den Anwohnern. Obwohl Schabehorn mehrfach betonte, dass zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Entscheidung darüber getroffen ist, welche Firmen sich ansiedeln, und auch noch keine Gutachten zu Lärm, Staub und Erschütterungen vorliegen, sprach sich der Ortsbeirat KTV nach der Diskussion gegen die Entwicklung des Bebauungsplans aus - das allerdings ohne deutliche Mehrheit.

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