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Norddeutsche Neueste Nachrichten

25. November 2017 | 10:56 Uhr

Noch kein Gedenkstein für NSU-Mordopfer

vom

svz.de von
erstellt am 11.Feb.2013 | 09:15 Uhr

Rostock | Wenn sich am 25. Februar der Todestag des mutmaßlich vom rechtsterroristischen Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) ermordeten Mehmet Turgut zum neunten Mal jährt, wird es in Rostock noch immer keinen Ort des Gedenkens an die Tat geben. Und das, obwohl sich die Hansestadt im April des vergangenen Jahres gemeinsam mit sechs anderen von NSU-Morden betroffenen Städten zur Einrichtung eines solchen verpflichtet hatte. Sogar auf einen gemeinsamen Text auf den Gedenkplatten einigte man sich, mehr ist seitdem in Rostock aber nicht passiert.

Ein Vorwurf, den Carina Jens, Präsidentin der Rostocker Bürgerschaft, so nicht auf sich sitzen lassen will. "Immerhin hat sich erst vor kurzem eine AG Gedenken konstituiert, darin vertreten sind zahlreiche Akteure von Stadt und Zivilgesellschaft", sagte Jens gegenüber unserer Redaktion. Gegenstand des ersten Treffens war eine allgemeine Diskussion über angemessene Formen des Gedenkens, schließlich war es in der Vergangenheit zu mehreren unschönen Vorfällen im Rahmen von Gedenkveranstaltungen gekommen (siehe Infokasten).

Betonen wollte Carina Jens deshalb, "dass Gedenken auch als Chance begriffen werden muss, ein Nachdenken in der Bevölkerung anzustoßen und damit die Auseinandersetzung als Prozess zu begreifen. "Denn ob Lichtenhagen oder Turgut, eines ist beiden Fällen gemeinsam: Auslöser war rassistisches Gedankengut", so Carina Jens.

Unterschreiben würde das auch Juri Rosov, Vorsitzender des Migrantenrats der Stadt. Auch er war auf der ersten Sitzung der AG Gedenken vertreten und nannte das immerhin "einen Fortschritt". Zuvor nämlich hatte er erfahren müssen, dass die Ächtung des "rassistischen Gedankenguts" schnell an seine Grenzen gerät. "Enttäuscht und wütend" sei er gewesen. So hatten Gespräche mit den beteiligten Ortsbeiräten von Rostock-Dierkow und -Toitenwinkel wenig gebracht. Mit Argumenten wie "wir gedenken ja auch nicht jedem Vergewaltigungsopfer" und Zweifeln an der Legalität von Turguts Aufenthaltsstatus sei dem Vorschlag einer Straßenumbenennung begegnet worden. "Für uns spielen solche Fragen aber keine Rolle", erklärt Rosov. "Mehmet war ein Mensch und ist aus rassistischen Motiven umgebracht worden", so die Sicht des Migrantenrats.

Immerhin, dank der AG ist nun auch in der Hansestadt Rostock eine dauerhafte Diskussion angeschoben. Am 25. Februar, dem neunten Todestag Mehmet Turguts, wird die Gruppe das nächste Mal in Rostock tagen.

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