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Herrentagsschläger vor Gericht : Nils W. legt Geständnis ab

vom

Am Herrentag 2011 habe er eine fatale Entscheidung getroffen. Er hätte nicht in Rage geraten dürfen. Der Familie seines Opfers wäre dann viel Leid erspart geblieben. Dafür entschuldigte sich Nils W. gestern vor Gericht.

Rostock | Nils W. gesteht: Er habe eine fatale Entscheidung getroffen an diesem Herrentag 2011. Er hätte sich dem Streit suchenden Björn Sch. nicht anschließen sollen, als dieser nach ersten Geplänkeln in der Innenstadt nach Warnemünde weiterzog. Er hätte nicht in Rage geraten dürfen. Dann wäre der Familie seines späteren Opfers viel Leid erspart geblieben. Dafür entschuldigte sich Nils W. gestern vor Gericht, indem er von seinem Verteidiger eine schriftliche Erklärung verlesen ließ.

41-jähriges Opfer verstarb in der Klinik

Die Herrentagstragödie bewegt ganz Rostock: Es ist der 2. Juni 2011, Christi Himmelfahrt, gegen 16.30 Uhr, auf dem Bahnsteig 3 des Warnemünder Bahnhofs, als zwei Männergruppen zum Ende ihrer Vatertagstour in Streit geraten. Anlass ist ein geschmückter Bollerwagen. Nils W. (25) soll dabei dem 44-jährigen Knud H. so heftige Schläge an den Kopf versetzt haben, dass dieser am nächsten Tag in einer Rostocker Klinik verstarb.

Gericht widerspricht Absprache-Gerüchten

Seit gestern wird vor der 3. Großen Strafkammer des Landgerichtes Rostock verhandelt. Nils W. wird Totschlag vorgeworfen. Der Prozess begann jedoch ganz anders als erwartet. Nämlich mit einer Erklärung des Vorsitzenden Richters Peter Goebels. Das Gericht reagierte damit auf Spekulationen im Vorfeld der Verhandlung. Diese Gerüchte besagten, es habe vorab eine Absprache im Zusammenhang mit dem Geständnis des Angeklagten gegeben. Demnach sei ihm im Gegenzug angeboten worden, die Anklage auf Körperverletzung mit Todesfolge und Beteiligung an einer Schlägerei lauten zu lassen. Dies hätte eine Reduzierung des Strafmaßes - bei Totschlag wären es 15 Jahre - auf knapp vier Jahre zur Folge gehabt. Dass das Urteil schon vor Prozessbeginn feststehe, wie es damit in den Raum gestellt worden sei, dementierte Goebels.

Der Vorsitzende Richter erklärte: Auf Initiative der Verteidigung hat es tatsächlich ein Gespräch am 21. November gegeben, bei dem der Angeklagte über die Auswirkungen eines Geständnisses aufgeklärt wurde. Daran nahmen auch zwei Vertreter der Staatsanwaltschaft und der Anwalt der Ehefrau des Getöteten teil. Goebels führte aus, dass im Übrigen die Höchststrafe bei einer Körperverletzung mit Todesfolge auch 15 Jahre laute. Von einer Reduzierung des Schuldspruchs könne deshalb keine Rede sein, so der Richter. Dass die Kammer sich keineswegs festgelegt habe, dokumentiere auch der Umstand, dass keiner der 29 vorgesehenen Zeugen bisher ausgeladen wurde.

Überwachungsvideo zeigt die grausame Tat

Nils W. legte dann gestern wirklich ein Geständnis ab: In der Auseinandersetzung an der S-Bahn habe er eigentlich schlichten wollen. Das spätere Opfer hätte ihn zu Fall gebracht und ihm ins Gesicht geschlagen. Darüber sei er in Wut geraten, habe sich den Pullover ausgezogen und dann dem Mann mit der Faust in den Nacken und an den Hals geschlagen.

Auf dem Überwachungsvideo, das gestern gezeigt wurde, war der gesamte Tatablauf deutlich zu sehen. Auch, dass Nils W. sich hinter einem Pfeiler den Pullover auszog und sein Opfer von hinten angriff. Knud H. hatte keine Chance, sich zu wehren. Und es war auch zu sehen, wie Nils W. mit seinen Freunden schnell den Tatort verließ, ohne sich weiter um das Opfer zu kümmern.

"Zu keinem Zeitpunkt wollte ich den Mann töten", so Nils W. Der Familie des Opfers bot er eine Entschädigung von 3000 Euro und weiteres Geld nach der Haftentlassung an. Dies lehnte die Witwe, die mit ihrem Sohn als Nebenkläger auftritt, ab. Der Prozess wird am 6. Dezember fortgesetzt.

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erstellt am 01.Dez.2011 | 07:12 Uhr

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