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Betrug : Neurochirurg soll für fünf Jahre in den Knast

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Im Prozess gegen Mediziner Dr. Thomas M. wird heute das Urteil erwartet. Die Staatsanwalt fordert ein Berufsverbot.

svz.de von
erstellt am 08.Okt.2014 | 06:00 Uhr

Durch falsche Abrechnungen soll sich Dr. Thomas M. (51) eine zweite Einnahmequelle erschlossen haben. Mehr als eine Million Euro floss so laut Staatsanwaltschaft in die Tasche des Neurochirurgen. Die Ankläger forderten im Prozess vor dem Landgericht Rostock gestern eine Haftstrafe von fünf Jahren und ein Berufsverbot – wegen gewerblichen Betrugs und Urkundenfälschung. Das Geständnis des Arztes und die Aussagen von 30 Zeugen hätten die Vorwürfe bestätigt. Die Betrugsmasche sei über sieben Jahre gelaufen.

Thomas M. hatte eine Bilderbuch-Karriere hingelegt: Studienabschluss 1989 in Greifswald, Facharzt für Neurochirurgie 1995, ab 2003 eine eigene Praxis in Rostock. Seit 2007 rechnete er Operationen überhöht ab, kassierte auch für angebliche Leistungen, die er überhaupt nicht erbracht hatte. Die Staatsanwältin sprach gestern von einem Schaden allein für die Kassenärztliche Vereinigung von mehr als 1,1 Millionen Euro. Im Juni 2009 wurde dem Neurochirurgen die Zulassung als Vertragsarzt entzogen. Den Einspruch dagegen verlor er – und behandelte ab dann Privatpatienten im Gesundheitszentrum Lütten Klein. Seine Betrügereien führte er fort, jetzt über privatärztliche Abrechnungsunternehmen. Als auch diese Art der zusätzlichen Geldbeschaffung aufflog, schlug er seine Zelte in der Schweiz auf. Eine dafür notwendige Unbedenklichkeitsbescheinigung fälschte er und gründetet das Schmerzzentrum Horgen am Züricher See.

Der Angeklagte habe durch seine Betrügereien einen Vermögensverlust großen Ausmaßes herbeigeführt und alles getan, um die Kassenärztliche Vereinigung und die privaten Abrechnungsunternehmen zu täuschen, sagte die Staatsanwältin. Sie rechnete sein Geständnis zu seinen Gunsten an, obwohl er es erst am 14. Verhandlungstag ablegte. Als strafverschärfend wertete sie die Höhe des Schadens und die lange Dauer der Betrügereien, woraus sie eine erhebliche kriminelle Energie ableitete. Als besonders perfide betrachtete sie die Tatsache, dass frisch operierte Privatpatienten von Inkassobüros wegen angeblich unbezahlter Rechnungen unter Druck gesetzt wurden. Die Verteidigung beantragte eine Freiheitsstrafe von maximal vier Jahren. An einem Berufsverbot führe kein Weg vorbei, so der Pflichtverteidiger. Thomas M. will dazu beitragen, den Schaden abzuarbeiten, möglicherweise als Berufskraftfahrer. Das Urteil wird heute erwartet.

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