Neue Hoffnung für Zuckerkranke

<strong>Diabetes kann eine Chance zum bewussten Leben sein: </strong>Diabetesberaterin  Marianne Prabel und Oberarzt Dr. Volker Harder haben Patientin Ursula Kühn zu einem besseren Lebensgefühl verholfen.<foto>Georg Scharnweber</foto>
Diabetes kann eine Chance zum bewussten Leben sein: Diabetesberaterin Marianne Prabel und Oberarzt Dr. Volker Harder haben Patientin Ursula Kühn zu einem besseren Lebensgefühl verholfen.Georg Scharnweber

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29. März 2013, 05:26 Uhr

Südstadt | In den vergangenen zehn Jahren hat ihre Diabetes-Erkrankung Ursula Kühns Alltag maßgeblich bestimmt. Viermal am Tag musste sie ihren Blutzuckerspiegel messen und sich Insulin spitzen - egal ob sie gerade auf Arbeit war, bei Freunden zum Abendessen oder im Urlaub am Strand. Doch damit ist jetzt Schluss. Seit etwa einer Woche nimmt die 61-jährige Finanzbuchhalterin aus dem Rostocker Landkreis ein neues Diabetes-Medikament ein, das ihren Blutzuckerspiegel auf dem richtigen Niveau halten soll. Doch ganz ohne Insulin geht es auch mit dem neuen Medikament nicht. "Ich muss weiterhin einmal am Tag spritzen, abends vor dem Schlafengehen", erklärt die 61-Jährige. Dies sei aber eine enorme Verbesserung in ihrem Alltag.

Doch eigentlich ging es ihr gar nicht darum, als sie in das Südstadtklinikum kam. "Ich wollte mich eigentlich nur neu einstellen lassen", so die Finanzbuchhalterin. Kühn war unzufrieden mit dem Insulin, denn dadurch hat sie zugenommen. Wie der Oberarzt am Südstadtklinikum, Dr. Volker Harder, erklärt, ist das eine Nebenwirkung des künstlich zugeführten Hormons. Ursache dafür sei die ständige Unterzuckerung. Das neue Medikament, das Kühn von ihrer Krankenkasse ebenso erstattet bekommt wie das Insulin, enthält ebenfalls Hormone. Diese führen dazu, dass der Körper Insulin ausschüttet, wenn der Zucker zu hoch ist. "Das Medikament kann nur bei Patienten eingesetzt werden, deren Bauchspeicheldrüse noch Insulin produzieren kann", sagt Harder. Für Menschen mit einer Diabetes-TypII-Erkrankung kommen die neuen Tabletten demnach nicht in Frage. Doch die Medizin macht seit mehreren Jahren erhebliche Fortschritte in der Behandlung von Diabetes, wie Harder sagt. Er ist zuversichtlich, dass es in Zukunft noch bessere Möglichkeiten gibt. "Für mich ist es besonders wichtig, jedem Patienten einen individuellen Therapieplan anbieten zu können", sagt der Facharzt für Angiologie.

Einen Überblick über die neuesten Behandlungsansätze bekommen alle Interessierten am Freitag, 5. April, im Südstadtklinikum. Zum zehnten Tag des Diabetes steht ab 14 Uhr eine Reihe von Experten bereit, um den Besuchern ihre Fragen zu beantworten. Im Hörsaal gibt es darüber hinaus auch Vorträge zu aktuellen Diabetes-Themen. In diesem Jahr ist ein Zahnarzt vor Ort, der die Auswirkung der Zuckerkrankheit auf die Zähne beleuchtet. Denn Diabetiker neigen vermehrt zu Paradontose. Schätzungen zufolge leiden allein 20 000 Rostocker an Diabetes. "Das Schlimme ist, dass immer mehr Kinder betroffen sind", sagt die Diabetesberaterin am Südstadtklinikum, Marianne Prabel. Das liege vor allem an ihrer schlechten Ernährung, die zum Übergewicht führt. Auch Kühn blickt heute selbstkritisch auf die Vergangenheit zurück: "Ich habe früher schon ungesund gegessen." Bei einer Routineuntersuchung vor 20 Jahren wurde dann Diabetes festgestellt. Aus Sicht von Oberarzt Harder ist die Diagnose Diabetes auch eine Chance - eine Chance, endlich bewusst zu leben.

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