Neue Chance auf Olympia für Schlonski

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14. März 2013, 12:03 Uhr

Rostock | Starboot "Pippifax" liegt sicher verpackt im Warnemünder Yachthafen an Land. Skipper Alexander Schlonski beendete seine Karriere, nachdem er und Vorschoter Matthias Bohn gegen Vize-Weltmeister Robert Stanjek (Berlin) knapp die Qualifikation für Olympia 2012 in London verloren hatten.

Regattasieg mit Malte Philipp im Drachen

Doch ganz vom Segeln lassen kann er nicht: Gerade neulich unternahm er auf Einladung des Rostockers Malte Philipp einen Ausflug an die Côte d’Azur. Gemeinsam mit dem Drachen-Weltmeister 2001 und dem befreundeten Geschäftsmann Michael Kurtz von Pantae-nius Yachtversicherungen beteiligte sich Schlonski auf dem Mittelmeer vor Cannes an einer Weltcup-Regatta in der bis 1972 olympischen Bootsklasse - und gewann.

Gewonnen hat Schlonski 2008, als er "außersportlich" berühmt wurde, zwar nicht, wurde aber bei der Weltmeisterschaft im Laser im Kräftemessen mit Seglern aus 56 Nationen Sechster. Damit hatte der heute 32-Jährige die Norm für die Olympischen Spiele in jenem Sommer in Peking erbracht.

Vor Peking 2008 hinten runtergefallen

Teilnehmen durfte er in China trotzdem nicht: "Darüber ärgere ich mich heute noch schwarz. Ich habe bei der WM den späteren Olympiasieger Paul Goodison aus Großbritannien und den Dritten von Peking, Diego Romero aus Italien, hinter mir gelassen, hätte also eine Medaillenchance gehabt. Mir fehlte ein Zusatzkriterium, ein sechster Platz bei einem von drei Weltcups. Damit war die Qualifikation nicht komplett erreicht. Aber das hätte man locker durchgehen lassen können. Es gab andere Sportarten wie Leichtathletik und Mountainbike, da hatten spätere Olympia-Teilnehmer gar kein Kriterium erfüllt. Die Surferin Romy Kinzl und ich sind dagegen hinten runtergefallen, weil die damalige Führung des Deutschen Segler-Verbandes aus unerfindlichen Gründen nicht hinbekam, was andere Verbände schafften."

Starker Sechster bei der Laser-WM 2008 - das und Rang vier bei der Star-WM 2009 sind die größten Erfolge von Schlonski. Hinzu kommen mehrere Top-3-Platzierungen bei Weltcups.

"Mit Halbgas würde ich es nicht machen"

Es ist ruhiger geworden um den Familienvater, der sich mit Freundin Johanna (30) am acht Monate alten Töchterchen Carla erfreut. A-Lizenz-Inhaber Schlonski, der Sportwissenschaften studierte, ist inzwischen vom Star- ins Motorboot umgestiegen und seit 1. April 2012 im Hauptberuf Stadttrainer für Segeln. "Ich bin zuständig für leistungsorientiert segelnde Jugendliche in Rostock, betreue den Zweihandbereich, 420er und 29er. Das betrifft 16 Sportler, also acht Besatzungen, im Wesent-

lichen im Alter zwischen 14 und 18 Jahren. Mein Auftrag lautet, Rostock im Segeln wieder erfolgreicher zu machen." Die Voraussetzungen dafür schätzt Schlonski als sehr gut ein: "Im Moment gibt es zwar relativ wenige Kinder über 14 Jahre für die höheren Bootsklassen, aber die Vereine machen tolle Jugendarbeit, haben extrem viele Kids im Anfängerbereich, investieren da viel Geld und ehrenamtliche Arbeit. Das lässt hoffen, denn aus der Menge kommt auch die Qualität." Auf dass eines Tages der Nachfolger von Jörn Borowski und Egbert Swensson gefunden wird, die 1980 in Tallinn mit Silber im 470er die bislang letzte olympische Segelmedaille für die Metropole Mecklenburg-Vorpommerns eroberten.

Doch wer weiß, vielleicht wird ja Schlonski selber Rostocks nächster Olympia-Kandidat im Segeln? Das ist gar nicht so weit hergeholt. Der mehrfache Deutsche Meister erläutert den Hintergrund: "Das Starboot wurde von der International Sailing Federation herausgenommen. Das ist aber ein normaler Vorgang, denn der Weltverband bereinigt alle vier Jahre sein olympisches Programm. Der Gastgeber - 2016 ist das Rio de Janeiro - hat jedoch die Möglichkeit, eine Sportart beziehungsweise Disziplin zusätzlich zu beantragen. Und es kann durchaus sein, dass sich die Brasilianer für Segeln und das Starboot entscheiden. Hier haben sie mit Torben Grael den Olympiasieger 1996 und 2004 sowie Robert Scheidt, der 2008 Silber holte, und rechnen sich große Chancen aus." Die Entscheidung falle aber erst Ende 2013. "Vom Gefühl her würde ich die Möglichkeit, dass es dazu kommt, mit 50:50 einschätzen", sagt Schlonski. Sollte sich ihm tatsächlich eine dritte Olympia-Chance er-öffnen, werde er sich mit seiner Familie beraten. Wenn die ja sagt, ginge es darum, das Projekt finanziell aufzustellen. "Mit Halbgas mache ich’s nicht", so Schlonski. "Nur wenn alle Voraussetzungen gegeben sind, dass das funktioniert, würde ich noch mal intensiv darüber nachdenken."

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