Neonazi-Plattform: Erzieher in Barth festgenommen

svz.de von
14. Juni 2012, 07:36 Uhr

Barth | Bei einem Schlag gegen eine rechtsradikale Internet-Plattform hat die Polizei einen 30-jährigen Erzieher aus Barth als Hauptverdächtigen verhaftet. Er soll seit fast sieben Jahren, "ohne in irgendeiner Weise aufzufallen" in einer kommunalen Kinder- und Jugendeinrichtung gearbeitet haben. Die Kolleginnen der Einrichtung seien "total entsetzt", sagte Barths Bürgermeister Stefan Kerth (SPD) gegenüber dieser Zeitung. Der Mann betrieb nach Erkenntnissen der Rostocker Staatsanwaltschaft zusammen mit einer 30-jährigen Hausfrau aus Baden-Württemberg seit 2009 maßgeblich das rechtsextreme Internet-Forum "Thiazi.net". Dort soll in etlichen Liedern zum Hass gegen Ausländer und Juden aufgestachelt und zu gewalttätigen Übergriffen aufgerufen worden sein.

Die Betreiber boten diese Lieder zum Download an. Aber auch in den Diskussions-"Foren" machten offenbar viele Benutzer kein Hehl aus ihrer rechtsextremen Gesinnung. Die Internet-Seite war gestern nicht mehr zu erreichen. Bei einer bundesweiten Razzia gegen 26 Verdächtige nahm die Polizei gestern insgesamt vier Personen fest und durchsuchte zahlreiche Wohnungen und Geschäftsräume vor allem in Rostock, Barth und in Baden-Württemberg.

Die Ermittlungen gegen den Erzieher aus Barth liefen seit 2010. Da die Benutzer von "Thiazi" sich unter Pseudonymen in den Foren äußerten, habe es eine Weile gedauert, die Verdächtigen zu identifizieren, so ein Sprecher der Rostocker Staatsanwaltschaft. Der Barther Erzieher soll nicht nur technische Ausrüstung für das Thiazi-Forum gestellt haben, sondern auch anderen Mitgliedern Weisungen erteilt haben.

Wegen Flucht- und Verdunkelungsgefahr wurde gegen ihn Haftbefehl erlassen. Falls er verurteilt wird, drohen ihm bis zu fünf Jahre Gefängnis. Bürgermeister Kerth suspendierte den Erzieher gestern vom Dienst. Weder habe es auf dessen mutmaßlich rechte Gesinnung bislang Hinweise gegeben, noch hätten sich Eltern über den Erzieher beschwert, so Kerth.

Die Stadtverwaltung will prüfen, was sie tun kann, um ähnliche Fälle möglichst zu vermeiden. Unterdessen hat das Amtsgericht Greifswald zwei Männer aus der rechten Szene wegen gefährlicher und vorsätzlicher Körperverletzung zu Freiheitsstrafen verurteilt. Bei einem der beiden Männer aus Wismar wurde die Strafe für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt, der andere Schläger soll für eineinhalb Jahre in Haft, sagte ein Gerichtssprecher.

Die beiden Brüder, die laut Opferhilfeverein Lobbi seit längerem der rechtsextremen Szene angehören, hatten vor Gericht über ihre Verteidiger den Übergriff eingeräumt.

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