Top Azubi 2015 : Nele ist die Frau der Ringe

Spiel mit dem Feuer: Um Metallteile dauerhaft zu verbinden, benutzt Azubi Nele Brunst eine der wichtigsten Goldschmiede-Techniken – das Löten.
Spiel mit dem Feuer: Um Metallteile dauerhaft zu verbinden, benutzt Azubi Nele Brunst eine der wichtigsten Goldschmiede-Techniken – das Löten.

Zwölf engagierte Nachwuchshandwerker treten an – darunter auch eine junge Goldschmiedin aus Rostock.

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20. November 2015, 06:00 Uhr

„Mama war Schuld“. Nele Brunst lacht. „Sie hat schon als Kind mit mir getöpfert.“ Zwar fertigte die 21-Jährige damals noch keine Handwerkskunst an, die sich verkaufen ließ, dafür entdeckte sie ihre Kreativität. „Und die ist schließlich das, was zählt“, betont die Rostockerin. Mittlerweile ist Nele im vierten Jahr ihrer Ausbildung zur Goldschmiedin und eine Spitzen-Kandidatin für die Wahl zum diesjährigen Top-Azubi.

Seit zehn Jahren wird der Titel von den Industrie- und Handelskammern des Landes vergeben – als Auszeichnung derer, die ihren Traumberuf im Handwerk gefunden haben. „Der Preis soll auf die Ausbildungschancen im Handwerk aufmerksam machen und möglichst viele Schulabgänger für eine Ausbildung in einem der mehr als 130 Handwerksberufe im Land gewinnen“, erklärt Dr. Petra Gansen von der Handwerkskammer Schwerin.

Bis zum 30. September konnten sich die Anwärter für den Wettbewerb bewerben, zwölf von ihnen kamen in die engere Auswahl. Dabei gehe es nicht nur um fachliche Leistungen, sondern auch um eine überzeugende Persönlichkeit, sicheres Auftreten, Schlagfertigkeit und Kreativität, erläutert Gansen die Voraussetzungen.

Gestern traten die Kandidaten in einem Live-Ausscheid in Schwerin gegeneinander an. Dabei mussten sie Quizfragen zum Handwerk beantworten, in einem Rollenspiel ein kniffliges Problem lösen und erklären, weshalb ausgerechnet sie die Auszeichnung „Top-Azubi“ verdient haben. Bewertet wurden die Teilnehmer von einer Fachjury, unter anderem auch von einem Mitarbeiter unserer Zeitung.

„Ich kann mich sehr gut mit dem Beruf identifizieren. Auch nach Feierabend sitze ich zu Hause und gestalte Schmuck. Ich weiß, dass ich immer in diesem Job arbeiten will“, beschreibt Nele Brunst ihre Qualifikation.

Nach dem Ausbildungsende im Februar möchte die Rostockerin Erfahrungen im Ausland sammeln. „Ich denke da an England. Dort wird noch ganz anders gearbeitet, mit ursprünglicheren Fertigungstechniken. Das reizt mich.“ Anschließend plant sie ihren Meister. „Ich möchte irgendwann den Schritt in die Selbstständigkeit gehen“, verrät sie – und das, obwohl der Beruf des Goldschmiedes allmählich zum aussterbenden Exoten mutiere.

„Als ich meine Ausbildung begann, saßen in der Klasse knapp 20 Schüler. Momentan sind in den Lehrgängen gerade einmal vier bis fünf Azubis. Dass darüber hinaus die rein schulische Ausbildung abgeschafft wurde, hat mir die Augen geöffnet“, sagt Dorin Kipke-Rehpenning. Als Neles Ausbilderin und Inhaberin der Klostergoldschmiede ist sie traurig über diese Entwicklung. „Wir haben viele Stammkunden, die uns über das Jahr hinweg mit Arbeit versorgen. Aber Kleinbetriebe, die neu ins Geschäft einsteigen, haben es wirklich schwer“, weiß Kipke-Rehpenning.

Der Druck der Wirtschaftlichkeit sei zu groß. „Auch wir haben das in den vergangenen Jahren zu spüren bekommen. Vor allem die Touristen kommen nicht mehr und die jüngere Generation kauft lieber Modeschmuck. Hinzu kommt unsere Geschäftslage: jeder, der nur ein paar Meter von der Haupteinkaufsstraße entfernt ist, hat ein Problem“, sagt sie.

Und dennoch bildet Dorin Kipke-Rehpenning aus – als Einzige in Rostock. „Ich bin begeistert von der Kreativität, die Nele an den Tag legt. Die Kreativität verbindet uns. Wir konstruieren etwas in unserem Kopf, das noch keiner sehen kann. Dann bringen wir es zu Papier und fertigen es an. Wir schaffen etwas Neues.“

Bei jedem Stück, das sie anfertige, würde Nele ein Stück von sich selbst einfließen lassen. Ganz besonders aufgeregt sei sie, wenn ein Auftrag für Verlobungsringe eintrudelt. „Ich habe da eine sehr romantische Vorstellung. Immerhin ist das der Ring, der das Leben zweier Menschen für immer verändern kann“, sagt sie.

Am 2. Dezember werden die Preisträger des Top-Azubi-Wettbewerbs in Schwerin ausgezeichnet. Der Gewinner erhält 1000 Euro. Auch der zweite und dritte Platz werden honoriert.

Nach der Wahl muss sich Nele auf ihre Gesellenprüfung vorbereiten. Die schriftlichen Prüfungen hat sie bereits mit Bravour bestanden, Nur das Gesellenstück fehle noch. Das wird entweder ein Armreif oder ein Anhänger.

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