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Norddeutsche Neueste Nachrichten

20. August 2017 | 10:08 Uhr

Navigation aus dem Weltall

vom

Rostock | Zwei Sender zu beiden Seiten der Scandlines-Fähre "Mecklenburg-Vorpommern" machen sie zum Prototypen für satellitenbasierte maritime Navigation. Den Anlauf im Rostocker Seehafen vollzieht das Schiff mithilfe der in 23 600 Metern Höhe kreisenden Galileo-Testsatelliten - einzigartig in Deutschland. "Rostock bietet ideale Bedingungen als Testgebiet", sagt Silvia Westland vom Netzwerk für maritime Anwendungen. Hier sind von der Wasserschutzpolizei und Marine bis zu den Reedereien und Logistikern alle Zielgruppen komprimiert vor Ort.

Dieses vielschichtige Nutzerspek trum, die kritischen Umgebungsbedingungen und das hohe Aufkommen an Linienverkehr machen den Seehafen zu einem idealen Umfeld für die Erprobung von "Sea Gate". Das System kombiniert die Satellitensignale mit denen von sechs an Land positionierten "Pseudolites", um eine höhere Positionsgenauigkeit zu erzielen. Denn die Satellitensignale haben mit atmosphärischen Störungen und Abschattungseffekten, beispielsweise unter Brücken, zu kämpfen. Bislang konnten durch die Kombination Angaben bis zu einer maximalen Abweichung von einem halben Meter erreicht werden. Ziel der Tüftler sind wenige Zentimeter.

"Zuverlässigkeit und Genauigkeit sind die entscheidenden Kriterien", sagt Westland. Für die Bewertung der Signale der einzelnen Satelliten wurde das System "Alegro" konzipiert.

Langfristig sollen Schiffe automatisch andocken, Flugzeuge landen und Züge gesteuert werden können - egal ob bei Tag, Nacht, Sonnenschein oder Nebel. Doch die Visionen greifen wesentlich tiefer in den Warenumschlag ein. In Rostock betrifft das heute schon die Positionierung der Kranarme des Kohlekraftwerks. "Die Arbeiter müssen genau wissen, wie viel von welcher Kohlesorte zusammengemischt wird, um ein optimales Ergebnis zu erhalten", sagt Westland. Das lasse sich mit den Galileo-Informationen bewerkstelligen.

Selbst bei der Verladung von Rohren aus dem Erndtebrücker Eisenwerk ist das System hilfreich. "Das dauert bisher bis zu acht Stunden", sagt Westland. Mit genaueren Daten seien erhebliche Zeitersparnisse möglich - bares Geld für Unternehmer. Auch machbar: die Verfolgung von Containern. "In großen Umschlagshäfen wie Hamburg oder Rotterdam stehen Millionen", sagt Westland. Kommt ein Container auf den falschen Platz, ist er nur schwer wieder aufzufinden. "Man muss natürlich aufpassen, wem man die Daten zur Verfügung stellt", so die Managerin.

Das ist beim Einsatz in der Landwirtschaft kein Problem. Dort kann die Steuerung eine Überdüngung oder ein doppeltes Umgraben der Äcker verhindern. Allerdings sind diese Techniken bereits im Einsatz - GPS-gesteuert. Das seit Langem in Betrieb befindliche US-amerikanische Gegenstück zu Galileo hat aber einen großen Nachteil: Es wird vom Militär kontrolliert und kann jederzeit abgeschaltet werden. Galileo hingegen soll ein zivil ausgelegtes System sein. Eine besonders gesicherte Zusatzkomponente wird Polizei, Küstenwache und Geheimdienst zur Verfügung stehen. Andere werden für alle Nutzer, bis hin zum Rettungsdienst, geöffnet.

Der Auftrag zum Bau der ersten 14 Galileo-Satelliten im Wert von 500 Millionen Euro wurde nach Bremen vergeben. Bis 2013 sollen insgesamt 30 Trabanten in ihre Umlaufbahn geschossen werden, vier mehr als beim GPS. "Mehr Satelliten stellen eine höhere Genauigkeit sicher", sagt Westland. Für eine exakte Positionsbestimmung werden mindestens vier benötigt. Sie geht davon aus, dass das Projekt ab 2015 komplett einsetzbar sein wird. Bis dahin wollen die Amerikaner ihre Satelliten ebenfalls austauschen.

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erstellt am 17.Aug.2010 | 08:22 Uhr

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