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Kösterbeck : Naturschutzgebiet: Seltene Pflanzen verschwinden

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Studenten untersuchen Entwicklung der Vegetation und beweisen: Die Vielfalt schrumpft zusehends

Die Flora des Naturschutzgebiets (NSG) Kösterbeck im Landkreis Rostock hat sich in den vergangenen 20 Jahren offenbar deutlich verschlechtert. Auf den Weideflächen des NSG stellten Studenten der Uni Rostock während eines Feldpraktikums fest, dass die Pflanzenvielfalt durch die extensive Nutzung bedroht ist.

Die 80 Studenten der Agrarwissenschaften untersuchten im Sommersemester 2014, wie sich die vielfältige Flora des NSG auf dem so genannten Halbtrockenrasen in den vergangenen zwei Jahrzehnten entwickelt hat. Unterstützt wurden sie dabei von einem Expertenteam, bestehend aus Doktoranden der Uni Rostock, der technischen Mitarbeiterin Birgit Schröder sowie Dr. Gerald Jurasinski, dem kommissarischen Leiter der Professur für Landschaftsökologie und Standortkunde.

Bereits im Jahr 2000 hatten sich Studenten mit der Vegetation im Naturschutzgebiet der Kösterbeck beschäftigt und seit sechs Semestern ist das Feldpraktikum zum Kursus „Vegetation und Stoffumsatz“ sogar ein Pflichteinsatz im Bachelor-Studiengang. „Eingeführt wurde das Praktikum, damit die Agrarwissenschaftsstudenten gewisse Artenkenntnisse entwickeln können“, sagt Doktorand Marian Koch. Bei ihren Untersuchungen stützten sich die Studenten und das betreuende Expertenteam auf eine Diplomarbeit von Rudolf Pivarci aus dem Jahr 1992. In dieser hatte Pivarci ein konkretes Areal auf den Weideflächen ausgewählt und untersucht, welche Pflanzenarten dort zu finden waren. Mehr als 20 Jahre später untersuchten die Studenten eben diese etwa 25 Quadratmeter große Fläche nun erneut. Dabei mussten sie feststellen, dass einige seltene Arten, die 1992 noch in großer Zahl zu finden waren, mittlerweile nicht mehr auf dem Halbtrockenrasen auftauchen, beispielsweise die Kuhschelle oder die Mondraute. Dafür sind einige andere, gewöhnlichere Arten wieder aufgetaucht. „Diese Veränderung hängt mit der Entwicklung der Beweidung der Flächen zusammen“, erklärt Dr. Jurasinski. „Früher wurden die hier lebenden Schafe noch ganz gezielt an Plätze getrieben, um dort zu grasen, jetzt geht der Trend zum großflächigen Pferchen“, fügt er hinzu.

Wenn die Schafe gezielt an einem Ort grasen, werden die oberen Pflanzenschichten abgetragen, die niedrigeren Schichten bekommen mehr Licht und neue Arten können entstehen, sagt Jurasinski. Dadurch, dass die Schafe nun aber grasen dürften, wo sie wollen, würden einzelne Areale nicht mehr gezielt abgefressen, sodass die Arten, die nur mithilfe der Abgrasung entstehen können, schlicht keine Chance mehr haben, so Jurasinski.

Über die weitere Entwicklung des Naturschutzgebiets Kösterbeck soll das obligatorische Praktikum, das auch zukünftig immer im Sommersemester stattfinden wird, Auskunft geben.

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