zur Navigation springen
Norddeutsche Neueste Nachrichten

23. Oktober 2017 | 21:11 Uhr

Nachtschwärmer erobern die Museen

vom

svz.de von
erstellt am 28.Okt.2012 | 07:21 Uhr

Rostock/Warnemünde | Die Warnemünder Kirche ist hell erleuchtet. Drinnen ist es warm. Pastor Harry Moritz erläutert einer Gruppe abendlicher Besucher, dass die große Christophorus-Figur vor einiger Zeit restauriert wurde und das Uhrwerk in der großen Glasvitrine noch aus der Vorgängerkirche stammt. Die Gäste, darunter Familien mit Kindern, bedanken sich und gehen in die Dunkelheit hinaus.

Unterwegs sind an diesem Sonnabendabend viele Warnemünder und Gäste des Badeortes. Die Lange Nacht der Museen führt sie auch ins Heimatmuseum. Dort singen um 20 Uhr die Klaashahns "Wo de Ostseewellen trecken", und Chorsänger und Besucher schunkeln gut gelaunt im selben Rhythmus. Glühwein gibt es und Führungen durch das Haus, das derzeit mit einer Ausstellung das Kriegsende und die Nachkriegszeit in Warnemünde thematisiert.

Der Leuchtturm wirft indessen unbeeindruckt sein Licht auf das Wasser. In 25 Metern Höhe stehen mehrere Schaulustige und freuen sich an dem Bild, das sich ihnen bietet. Einer, der die Wendeltreppe herunterkommt, hat sogar weit draußen den hell erleuchteten Windkraftpark gesehen. Die beiden Vereinsmitglieder Rüdiger Kohtz und Walter Vogt wärmen sich mit heißem Tee aus der Thermoskanne und kommen mit den Besuchern immer wieder ins Gespräch. "Der Turm ist als Leuchtfeuer genauso wichtig wie als Denkmal und Wahrzeichen von Warnemünde", sind sich die beiden Herren mit den Schiffermützen einig. Auf dem Weg in die Rostocker Innenstadt fällt der Blick auf die Kunsthalle am Schwanenteich. Auch hier schlendern mehrere Besucher von Plastik zu Plastik, von Bild zu Bild. Ihre Silhouetten zeichnen sich deutlich hinter den großen neuen Scheiben des Erdgeschosses ab.

Die Innenstadt wirkt in dieser Nacht beinahe so belebt wie am Tage. Im Klosterhof hat es um 18 Uhr zur Eröffnung der Langen Nacht ein Barockfeuerwerk und Böllerschüsse gegeben. "Etwa 500 kulturinteressierte Rostocker waren dabei", sagt Dr. Steffen Stuth, Chef des Kulturhistorischen Museums. Seine Kollegen am Einlass haben mehr als 3000 Besucher in vier Stunden gezählt. Kein Wunder, denn es gab Führungen, Vorträge und zwei Taschenlampenrundgänge durch das dunkle Obergeschoss.

Im Kempowski-Archiv haben sich inzwischen die Besucherschlangen aufgelöst. Gerhard Weber erläutert einzelne Details auf den Bildern seines längst vergriffenen Buches mit alten Rostocker Fotos und Zitaten aus den Büchern von Walter Kempowski. Im Heinrich-Schliemann-Institut in der Schwaanschen Straße steht Dr. Jutta Fischer mit den zumeist jüngeren Besuchern im Saal mit den Exponaten griechischer, römischer und ägyptischer Kunst. "Wir haben mehr Besucher als im vergangenen Jahr, vielleicht auch wegen des klaren Wetters heute Nacht."

Genügend Zeit für alle lohnenswerten 15 Adressen hatte vermutlich kaum einer, doch ohne Zweifel war es für mehrere tausend Rostocker wieder eine ganz besondere Nacht der Museen - mit mehr Zeit für Rostocks Schätze und Kultur.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen