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Norddeutsche Neueste Nachrichten

12. Dezember 2017 | 15:17 Uhr

Aus dem Gericht : Nachhilfe für Streithähne

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Sohn bringt fünfmal „mangelhaft“ nach Hause: Mutter verklagt Lehrer wegen Erfolglosigkeit

Muss ein Nachhilfelehrer sein Honorar zurückzahlen, wenn sein Schüler trotz regelmäßigen Unterrichts schlechtere Noten bekommt als vorher? Um diese Frage drehte sich gestern im Amtsgericht Rostock die Zivilklage einer besorgten Mutter. Ihr Sohn hatte auf dem Zwischenzeugnis fünfmal „mangelhaft“ nach Hause gebracht. Darauf zur Rede gestellt, rastete der Lehrer aus und vertrat die Auffassung, dass der Junge auf eine Förderschule gehöre und nicht auf eine Schule, auf der hohe Leistungen gefordert würden. „Dafür sei er viel zu doof. Keine Nachhilfe der Welt könne da wirken“, habe er laut Mutter gesagt.

Die Mutter, die bestrebt ist, ihrem einzigen Sohn den Lebensweg so gut wie möglich zu ebnen, reichte Klage ein – wegen Erfolglosigkeit des Nachhilfelehrers. Dieser habe die falschen Lehrmethoden angewendet und sei nicht in der Lage, Wissen zu vermitteln. Sie forderte deshalb die gesamte Vergütung in Höhe von 650 Euro von ihm zurück. Gleichzeitig erstattete sie Anzeige gegen den Lehrer wegen Beleidigung und forderte hierfür ein Schmerzensgeld von 900 Euro. Der Pädagoge reagierte darauf mit einer Widerklage in Höhe von 200 Euro, denn die Klägerin habe die ganze Sache öffentlich gemacht und ihm in seiner Tätigkeit Schaden zugefügt.

Gestern saßen sich beide Kontrahenten im Gerichtssaal gegenüber. „Ich bedaure es sehr, diese Worte gebraucht zu haben. Ich entschuldige mich dafür hier in aller Form“, sagte der Lehrer. Er habe so reagiert, weil die Mutter dem Sohn gesagt habe, dass er nur mit der mittleren Reife einen Beruf erlernen könne.

Die Mutter antwortete, dass er den 14-Jährigen mit seinen Worten sehr verletzt habe. Außerdem habe er die beleidigenden Worte morgens um 5 Uhr, direkt vor einer wichtigen Mathe-Arbeit gesendet. Er habe sich jetzt ohne Nachhilfe in neun Fächern verbessert und keine Fünf mehr auf dem Zeugnis.
Der Vorsitzende Richter erklärte: Eine Rückzahlung der Vergütung sei nur möglich, wenn die vertraglichen Leistungen nicht eingehalten wurden. Die Nachhilfe habe aber regelmäßig stattgefunden. Die Beleidigung wertete er als einen Grenzfall. „Ich schlage Ihnen vor, die Klage und die Widerklage zurückzunehmen“, riet der Richter. Dem folgten Klägerin und Beklagter. „Ich hätte die Klage sowieso zurückgewiesen“, so der Richter.

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