Finanznot : Nach neuem Tarif: Theater droht Aus

Der neue Tarifabschluss würde die Existenz des Volkstheaters bedrohen.
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Der neue Tarifabschluss würde die Existenz des Volkstheaters bedrohen.

Rostocks Oberbürgermeister wirft Arbeitgeber-Vereinigung Verrat vor

svz.de von
04. Dezember 2013, 06:00 Uhr

Das Volkstheater Rostock hat erneut ein Millionenproblem. Deutscher Bühnenverein (DBV) auf Arbeitgeberseite und Deutsche Orchestervereinigung (DOV) auf Arbeitnehmerseite stehen kurz vor dem Abschluss eines neuen Tarifvertrags. Der hätte für Rostock Lohnnachzahlungen in Höhe von mehr als einer Million Euro und in Zukunft jährlich 460 000 Euro Mehrausgaben für die Norddeutsche Philharmonie zur Folge.

Auf eine Sonderregelung für Rostock konnten sich die Tarifparteien trotz drohender Insolvenz nicht einigen. Daher fordert Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos) als Gesellschafter-Vertreter nun den sofortigen und fristlosen Austritt des Volkstheaters aus dem Deutschen Bühnenverein. Die Tarifbindung würde damit entfallen. Begründung: „Es hat sich gezeigt, dass der DBV nicht willens und nicht in der Lage ist, die Interessen der Volkstheater Rostock GmbH sachgerecht wahrzunehmen und zu vertreten.“

Rolf Bolwin, Geschäftsführender Direktor des DBV, weist diesen Vorwurf zurück. „Wir haben die DOV auf mögliche Konkursgefahren hingewiesen“, sagt er. Dennoch habe die Gegenseite einen Verzicht der 74 Rostocker Musiker auf die Lohnnachzahlungen und -erhöhungen ausgeschlossen. Dank des Wechsels Rostocks vom Voll- zum Gastmitglied im kommunalen Arbeitgeberverband müsse aber nur die Lohntabelle von 2012 und nicht die teurere von 2013 umgesetzt werden.

Außerdem bekomme Rostock statt bis Ende Februar bis Ende Juli Zeit für die Umstellung. Bis dahin soll über einen Haustarif verhandelt werden, so Rolf Bolwin. Dem Vertrag habe die DOV unter der Voraussetzung zugestimmt, dass er nicht nur für das Orchester, sondern für das gesamte Volkstheater gilt. Laut DBV-Chef wird das wiederum von der Gewerkschaft Verdi abgelehnt. „Wir haben uns um die Rostocker Belange gekümmert“, sagt Rolf Bolwin. Eine Pflichtverletzung liege nicht vor, regulär könne das Volkstheater frühestens zum Jahresende 2014 austreten.

Unterstützung bekommt er ausgerechnet von DOV-Geschäftsführer Gerald Mertens. „Ein Austritt wäre eine Kriegserklärung an die Arbeitnehmer“, sagt er. Er wirft der Stadt vor, die Tarifautonomie umgehen zu wollen und generell kein Konzept für ihr Theater zu haben. An dieser Planlosigkeit sei auch der Haustarif bislang gescheitert: Nicht zuletzt durch das „Rumeiern“ beim geplanten Neubau und der Frage der Anzahl der Sparten „fehlt die klare Perspektive“, so Gerald Mertens.

Die Bürgerschaft entscheidet heute über die OB-Vorlage. „Es gibt nur die zwei Optionen: Entweder wir zahlen oder wir treten aus“, sagt Eva-Maria Kröger, Links-Fraktionschefin und Theater-Aufsichtsratsvorsitzende.

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