Studie aus Rostock : Nach dem ersten Baby steigt die Unzufriedenheit

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Zu wenig Schlaf, Verlust von Freiheit: Studie des Rostocker Max-Planck-Instituts zu jungen Eltern

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06. August 2015, 08:00 Uhr

Viele neugeborene Kinder machen ihre Eltern offenbar unglücklich. In einer Studie des Rostocker Max-Planck-Instituts für demografische Forschung gaben Mütter und Väter an, im ersten Jahr ihrer Elternschaft weniger glücklich zu sein als zwei Jahre davor – um 1,4 Einheiten auf der Glücks-Skala.

Zwar registrierten knapp 30 Prozent der Studienteilnehmer gar keinen Verlust an Zufriedenheit. Mehr als ein Drittel dagegen empfand sogar ein Minus von zwei oder mehr Glücks-Einheiten. Das ist nach Angaben der Rostocker Wissenschaftler vergleichsweise viel, da nach internationalen Studien die Zufriedenheit durch Arbeitslosigkeit oder den Tod des Partners im Durchschnitt nur um etwa eine Einheit auf der Glücks-Skala zurückgeht.

Die Rostocker Forscher nutzten für ihre Untersuchung die Langzeitstudie „Sozio-ökonomisches Panel“ (SOEP). In dieser bewerten die etwa 20 000 Teilnehmer jedes Jahr ihre Lebenszufriedenheit auf einer Skala von null bis zur maximalen Zufriedenheit von zehn Punkten. Nicht untersucht wurde, was konkret die Zufriedenheit der frischgebackenen Eltern sinken lässt. „Generell beklagen junge Eltern zunächst häufig Schlafmangel, Schwierigkeiten in der Partnerschaft und den Verlust von Freiheit und Kontrolle über ihr Leben“, sagt Institutsdirektor Mikko Myrskylä.

Festgestellt wurde auch: Je unzufriedener Eltern unmittelbar nach der Geburt ihres ersten Kindes sind, desto unwahrscheinlicher wird weiterer Nachwuchs. Das gilt besonders für gut ausgebildete Frauen und Männer, die mit 30 Jahren oder später Eltern wurden.

Unter 100 Eltern, die ein Minus von mindestens drei Glücks-Einheiten beschrieben, bekamen nur 58 innerhalb von zehn Jahren ein zweites Kind. Wenn Eltern hingegen nach der Geburt ihres ersten Kindes keine Beeinträchtigung empfanden, kam bei 66 Prozent von ihnen weiterer Nachwuchs. Aus diesen Ergebnissen wurden Einflüsse von Einkommen, Ehestatus oder Geburtsort bereits herausgerechnet.

Die unmittelbaren Glücks-Einbußen im ersten Elternjahr müssten allerdings relativiert werden, hieß es. Trotz der Unzufriedenheit nach dem ersten Kind wirkten sich insgesamt bis zu zwei Kinder langfristig eher positiv auf das Lebensglück aus.

Auch steige bis direkt vor der Geburt die Vorfreude und damit die Zufriedenheit deutlich über das langjährige Niveau. Forschung zum elterlichen Kinderglück ist den Angaben zufolge bisher selten, da die meisten Eltern negative Gefühle nicht zugeben würden.

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