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Nach 411 Jahren geklärt: Tycho Brahe nicht vergiftet

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erstellt am 12.Dez.2012 | 08:33 Uhr

Rostock | Seine Nase verlor er als Student in Rostock bei einem Duell. Seitdem soll Tycho Brahe eine Prothese aus Gold getragen haben. Auch sein Tod 1601 am Hof des deutschen Kaisers in Prag ist sagenumwoben - bisher. Denn Wissenschaftler der Universität Rostock haben jetzt nachgewiesen: Der weltberühmte Astronom Brahe fiel zumindest keinem Quecksilberanschlag zum Opfer. Das ist nach 411 Jahren die Entlastung für Brahes Schüler Johannes Kepler, dem ein solches Mordkomplott nachgesagt wurde. "Es war kein Giftmord", erklärte Biologieprofessor Ludwig Jonas gestern.

Dem Rostocker Wissenschaftler standen zehn Barthaare des Astronomen von dessen erster Exhumierung 1901 zur Verfügung. Er und seine Kollegen fanden mit Hilfe eines Rasterelektronenmikroskops zwar Spuren des Schwermetalls. Allerdings handelte es sich dabei nur um Anhaftungen. Im Haarschaft und in den Haarwurzeln habe es hingegen keinen Quecksilbernachweis gegeben. "Wir schließen daraus, dass die Quecksilberablagerungen von außen in die Haare gelangt sind und nicht durch einen Gifttrunk über das Blut in die Haarwurzeln", sagt Jonas.

Mit diesen Erkenntnissen könne der vermeintliche Meuchelmord durch den anderen herausragenden Astronomen jener Zeit, Johannes Kepler, in das Reich der Mythen verwiesen werden, betonte Jonas. Dieser sei Student bei Brahe gewesen und von der Nachwelt dem Mordverdacht ausgesetzt worden. Als Grund seien Brahes wertvolle Sternenprotokolle genannt worden, die er vor Kepler unter Verschluss gehalten haben soll. Die Sternenbeobachtungen und genauen Vermessungen der Gestirne lieferten Kepler die Grundlage für die drei Kepplerschen Gesetze.

Tycho Brahe war Zeit seines Lebens, besonders aber in Prag, auch Alchemist und experimentierte mit Quecksilberpräparaten als Medikamenten gegen Geschlechts- und Hauterkrankungen. Es sei zu vermuten, dass er sich dabei Quecksilberdämpfen aussetzte, so Jonas. "Dabei hat sich das Quecksilber chemisch mit dem Keratin der Haare so fest verbunden, möglicherweise in Form von Quecksilbersulfit, dass es die 411 Jahre bis zu unserer Untersuchung darin erhalten geblieben ist."

Die genaue Todesursache Brahes aber bleibt weiter ungeklärt. Es gibt Spekulationen, der Wissenschaftler könnte an einer geplatzten Blase gestorben sein. Demnach soll Brahe während eines prachtvollen Festmahls am Hof von Kaiser Rudolf II. aus Höflichkeit auf einen Toilettengang verzichtet haben.

Das internationale Expertenteam befasste sich auch mit der angeblichen Goldnase Brahes, der dem dänischen Hochadel entstammte und mit seinen Forschungen zu einem der bedeutendsten Astronomen der Renaissance aufstieg. Demnach war die Nasennachbildung nicht aus einem Edelmetall gefertigt. Spuren von Kupfer und Zink ließen darauf schließen, dass die Prothese aus gewöhnlichem Messing bestand.

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