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Norddeutsche Neueste Nachrichten

18. Dezember 2017 | 15:59 Uhr

Schiffbau : MV Werften setzen Spatenstich in Rostock

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Neue Halle soll Grundlage für die größten Kreuzfahrtschiffe der Welt bilden. Mammutprojekte haben an der Warnow Tradition

svz.de von
erstellt am 02.Aug.2017 | 11:55 Uhr

Der Geschäftsführer der MV Werften, Jarmo Laakso, hat zu einem weiteren Meilenstein in der Geschichte der Warnow-Werft geladen. Am Mittwoch, 9. August, erfolgt auf dem Werftgelände der erste Spatenstich für die Schiffbauhalle 11, in der die Paneel-Linie sowie der Sektionsbau und die weitere Ausrüstung Platz finden. Hier werden die Grundlagen für die weltgrößten Kreuzfahrtschiffe der Global Class geschaffen.

Die 75-Millionen-Investition ist gleichzeitig das größte Paket eines gigantischen Investitionsprogramms, erklärt der Werften-Chef. Paneel-Linien sind die wichtigsten Fertigungslinien im mechanisierten und automatisierten Schiffbau – vom Schweißen der Platten und Profile bis zum Transport und Handling. In dem 21 000 Quadratmeter großen Neubau wird innovative Robotertechnik das Fertigungstempo bestimmen. Spätestens im zweiten Quartal 2018 soll die neue Anlage in Betrieb gehen. Im Konzept der Genting-Werftengruppe werden die Riesen weitestgehend in Warnemünde gebaut und in Wismar fertiggestellt.

Diese Ozeanriesen, so heißt es bei MV Werften, sollen neue Maßstäbe setzen. Eigens für den boomenden asiatischen Kreuzfahrtmarkt konzipiert, finden über 5000 Passagiere in 2400 Kabinen an Bord Platz. Die 204 000 BRZ (Bruttoraumzahl) großen, über 20 Decks ausgelegten Kreuzfahrtriesen sind 340 Meter lang und 46 Meter breit. Das Flaggschiff der Global-Serie soll die MV Werften, wenn alles programmgemäß läuft, noch 2020 verlassen. Große Bauten bestimmten in der Geschichte der Warnow-Werft schon mehrfach die Szenerie. Es begann mit der Instandsetzung und dem Umbau der Reparationsaufträge wie der „Sovjetskiy Soyuz“ (ex „Hansa“), „Admiral Nachimow“ (ex „Berlin“) oder „Jury Dolgoruki“ (ex „Hamburg“). Die ersten großen neugebauten Hochseefrachter waren die legendären Schiffe vom Typ IV.

Der Auftakt der 15 Schiffe umfassenden Serie begann am 23. Juni 1957, also vor 60 Jahren, mit der Indienststellung der „Frieden“. Es war eine schwere Geburt. Am 16. Oktober 1954 war das Typschiff auf Kiel gelegt worden, nachdem die erste Kiellegung zwei Jahre zuvor misslungen war. Die größte Herausforderung für die Konstrukteure und Schiffbauer war seinerzeit der Bau der ersten 10 000-Tonner aus eigener Kraft, unabhängig von Importen. Als Traditionsschiff blieb die „Dresden“, das fünfte Schiff der Serie, bis heute erhalten. Und Rostocker werden demnächst mit entscheiden, wo das am 27. Juli 1958 in Dienst gestellte Schiff seinen künftigen Standort haben wird – am abgelegenen Anleger in Schmarl oder im Stadthafen, wofür sich ein kürzlich veröffentlichtes Gutachten ausspricht.

Größere Dimensionen hatten bereits die dem Typ IV folgenden Schiffsserien noch zu DDR-Zeiten – von Kohle-Erz-Frachtern bis zur Saturn-Serie. Mit einem Investitionsaufwand von 555 Millionen D-Mark Steuergeldern war nach der Wende bis 1995 ein leistungsfähiges Schiffbauzentrum geschaffen worden. Besondere Glanzlichter bildeten hier der Bau der Containerschiffe Warnow CV 5500, die große Bohrinsel „Stena Don“ und schließlich die Konverter-Plattformen für Offshore-Windparks. Zwischendurch erfolgten wiederholt Eigner-Wechsel, Kurzarbeit, Insolvenz, bittere Stunden für die Beschäftigten. Nun gibt es wieder berechtigte Hoffnung durch das Engagement der Genting-Gruppe.
 

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