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Norddeutsche Neueste Nachrichten

23. November 2017 | 23:23 Uhr

Projekt : Musikwohnzimmer berührt Herzen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Im Barnstorfer Weg hat Heike Loeffler einen neuen Wohlfühlort geschaffen. Livemusik, Lesungen und Kurse in altem Ladenlokal. #wirkoennenrichtig

svz.de von
erstellt am 26.Mär.2017 | 05:00 Uhr

Der Stress und die Hektik des Alltags – all das ist sofort vergessen, wenn sich die Tür zum Musikwohnzimmer öffnet. Im Inneren des früheren Ladenlokals riecht es nach Kaffee und frisch gebackenem Kuchen, dazu erklingt Klaviermusik.

Vor anderthalb Jahren hat Floristin Heike Loeffler im Barnstorfer Weg ein Herzensprojekt umgesetzt und ist damit zu ihren Wurzeln zurückgekehrt. Denn dort, wo sich heute ihr Musikwohnzimmer befindet, war sie seit 2005 mit dem familieneigenen Blumenladen präsent. „Wir haben uns 2011 dann ein paar Häuser weiter vergrößert“, blickt die Ziesendorferin zurück. Als der nach ihr eingezogene Laden für Mode- und Wohnaccessoires schloss, hatte Heike Loeffler nur kurz Zeit zu überlegen, was aus ihren früheren Räumlichkeiten werden sollte.


Rückendeckung von der ganzen Familie


Sie entschied sich, ihre Leidenschaften an einem Ort zu vereinen und diesen für alle zu öffnen. „Das Musikwohnzimmer bietet nicht nur den Künstlern eine Bühne, sondern ist genau so ein Wohlfühlort für alle Zuhörer, denn Musik dient der Entspannung“, sagt Heike Loeffler. Und so vermitteln die Konzerte den Charme, bei guten Freunden ein willkommener Besuch zu sein.

Dafür sorgt auch das Ambiente: „Den Kuchen backe ich zusammen mit meinen Kindern, die mich tatkräftig unterstützen“, freut sich die Initiatorin über die Rückendeckung ihrer Familie. Jeder, mit dem sie über das Projekt spricht, spürt die Leidenschaft und Herzenswärme, die von den Beteiligten hineingesteckt werden. „Wir hatten auch schon Kinder aus der Straße, die abends nach der Wanne und vor dem Zubettgehen im Bademantel mit ihren Eltern hier waren und die Musik genossen haben“, freut sich Heike Loeffler. Immer wieder ist das frühere Ladenlokal aber auch ein Ort, an dem sich Alleinstehende treffen. „Für Jugendliche gibt es genug Angebote, aber ab Mitte 40 sind viele einsam. Hierher kommen sie als Fremde und gehen als Freunde“, weiß die 49-Jährige, die auf feste Unterstützer zählen kann. Zu den Mitwirkenden der ersten Stunde zählt George, der immer nachmittags als Hausmusiker für die Klaviermusik sorgt und das Instrument auch ins Musikwohnzimmer gebracht hat. „Er ist unsere wohlwollende Seele. Es ist eine Freude zu sehen, wie er das Klavier quasi streichelt und auch, ihm zuzuhören“, lobt die Hausherrin. Für den Rostocker ist das Musikwohnzimmer ein Ort, „an dem ich regelmäßig, gern und gratis meine Spielkunst anbieten kann“, sagt der 48-Jährige.

Ebenfalls nicht mehr aus dem öffentlichen Wohnzimmer wegzudenken ist Frank Rusch, der als ehrenamtlicher Helfer in vielen Bereichen mit anpackt und dabei die Vielfalt genießt, die der Ort bietet: „Außer Rock – wegen der Lautstärke – hatten wir hier schon Musiker aller Richtungen da, sogar Rap. Wir sind offen für alles, was schön ist“, erklärt der 52-Jährige.


Neu auch Yoga und Blumenbindekurse


Damit das so bleibt, ist der Betreiberverein auf Spenden angewiesen. Seit Heike Loeffler die Türen ihres Musikwohnzimmers öffnete, hat sie viel Zeit und privates Geld in das Projekt investiert. Denn die Veranstaltungen kosten keinen Eintritt.

Besucher können den Ort und das Angebot mit freiwilligen Spenden wertschätzen. „Musik ist kein Luxus, ich möchte, dass auch derjenige sie konsumieren kann, der es sich vielleicht gerade nicht leisten kann“, sagt Heike Loeffler. „Das Musikwohnzimmer soll ein Ort sein, an dem die Menschlichkeit regiert und nicht das Geld – wer hierher kommt, der soll keine Sorgen spüren“, so die engagierte Vereinsvorsitzende, die mittlerweile auch Yoga- und Blumenbinde-Kurse sowie Lesungen ins Programm genommen hat.

Wenn sie an die Zukunft des Musikwohnzimmers denkt, hat Heike Loeffler einen Traum. „Es wäre toll, wenn es Angebote wie das unsere auch in anderen Städten gibt und die Künstler, die hier auftreten, dann von einem Wohnzimmer ins nächste touren und die Menschen begeistern können.“

Zahlen und Fakten

• Das Projekt von Heike Loeffler startete am 15. Oktober 2015. Im Februar 2016 wurde dann der Verein gegründet.

• Die Räume im Barnstorfer Weg können auch für kleinere Anlässe gemietet werden. Dazu gehören auch ein Tresen und eine Küchenzeile.

• Feste Öffnungszeiten sind immer Dienstag bis Donnerstag, jeweils ab 14.30 Uhr, für Nachmittage mit Kaffee, Kuchen und Klavier. Wenn Konzerte sind, finden diese Freitags um 19 Uhr statt.

• Wer sich auf der offenen Bühne ausprobieren möchte: Klavier, E-Piano, Gitarren, Verstärker, Mikrofone und Mischpult sind vorhanden. Außerdem gibt es vor Ort auch ein Zimmer zum Übernachten.

• Nächste Konzerte: Påla (31. März, 19 Uhr), Vincent Long (7. April, 19 Uhr), Brendan Lewis (21. April, 19  Uhr)

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Elisa Gillner (22. April, 19 Uhr), The Wildfires (28. April, 19 Uhr)

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