Rostock : Museum erhält Arzt-Nachlass

Zeugnis der Zeit: Das Leben von Arzt Johannes Schröder können Steffen Stuth (l.), Leiter des Kulturhistorischen Museums, und Kuratorin Annelen Karge dank der Schenkung von Fielmann erforschen. Filialleiter Torsten Jahnke lauscht ersten Erkenntnissen.
Zeugnis der Zeit: Das Leben von Arzt Johannes Schröder können Steffen Stuth (l.), Leiter des Kulturhistorischen Museums, und Kuratorin Annelen Karge dank der Schenkung von Fielmann erforschen. Filialleiter Torsten Jahnke lauscht ersten Erkenntnissen.

Fielmann AG ersteigert Dokumente. Historiker erforschen Leben von Klinikleiter Dr. Johannes Schröder.

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23. August 2018, 12:00 Uhr

Eine braune Ledertasche, eine weiße Gipsbüste und jede Menge handgeschriebene Dokumente liegen auf dem Tisch vor Dr. Steffen Stuth, dem Leiter des Kulturhistorischen Museums. Anhand der mehr als 1000 Objekte wollen er und Kuratorin Annelen Karge die Biografie des Rostocker Arztes Johannes Schröder, der Mitte des 19. Jahrhunderts in der Hansestadt praktiziert hat, rekonstruieren. Überlassen hat sie dem Museum die Fielmann AG.

„Wir holen einen berühmten Rostocker, über den es bisher kaum etwas in den Archiven gibt, zurück“, sagt Stuth. Dr. Johannes Theodor Ludwig Schröder habe drei Jahrzehnte lang die Städtische Irren-, Heil- und Bewahr-Anstalt im St.-Katharinen-Kloster geleitet und sich als Arzt verdient gemacht. Gerade in dieser Zeit habe es viele Fortschritte in der psychotherapeutischen Behandlung von Patienten gegeben, erklärt Kuratorin Karge. „Jetzt haben wir ein Zeugnis dafür, dass er als leitender Arzt maßgeblich am Wandel beteiligt war“, sagt sie.

Das beidseitig beschriebene Papier sei sehr gut erhalten, zeige viele Familienbriefe mit medizinischen Notizen auf der Rückseite: „So erfahren wir Privates und Berufliches“, sagt Stuth. Ein so geschlossener Nachlass sei selten, häufig würden Zeugnisse vernichtet oder weit zerstreut, bedauert der Historiker.

Entdeckt hat die Schätze Kuratorin Karge im Katalog eines Auktionshauses. Per kurzem Draht zur Fielmann AG, die dem Museum bereits vor einem halben Jahr eine barocke Uhr überlassen hat, ersteigerte das Unternehmen die Dokumente des Rostocker Arztes für das städtische Museum. Wo genau sie anderthalb Jahrhunderte aufbewahrt wurden, ist unbekannt. „Im Auktionshaus konnte man lediglich vermuten, dass sie einem süddeutschen Haushalt entstammen“, so Karge. Die erste Erschließung sei erfolgt, nun sollen die Dokumente eingescannt und zur Forschung bereitgestellt werden. „Die Medizinhistoriker sind bereits schwer interessiert“, betont Museumschef Stuth.

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