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Norddeutsche Neueste Nachrichten

17. Dezember 2017 | 22:36 Uhr

Universität Rostock : Motor soll im Frühjahr laufen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Forscher entwickeln Brennverfahren für umweltfreundliche Maschinen, die Triebwerke emissionsarm betreiben.

Er ist 43 Tonnen schwer und gut vier Meter hoch: der 1-Zylinder-Forschungsmotor M34DF an der Universität Rostock. In diesem Frühjahr soll er sich das erste Mal drehen. „Bis dahin gibt es noch viel zu tun“, sagt Doktorand Karsten Schleef vom Lehrstuhl für Kolbenmaschinen und Verbrennungsmotoren (LKV) der Uni Rostock. Beispielsweise müsse in Testläufen das Verhalten des Motors genau beobachtet werden und unterschiedliche Kraftstoffkreisläufe müssten in Betrieb genommen werden. Alle Bemühungen konzentrieren sich jetzt auf den Aufbau der Motorkabine und den Anschluss der Kühlwasser- und Schmierölkreisläufe.

Laut Projektkoordinator Dr. Christian Fink ist „die offizielle Einweihung des Motors für September geplant“. Über das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie fließen knapp vier Millionen Euro in das dreijährige Low Emission Dual Fuel-Verbundprojekt (LEDF). Doch der Motorenbauer Caterpillar und das aus der Uni ausgegründete Forschungszentrum Verbrennungsmotoren und Thermodynamik Rostock (FVTR) wollen darüber hinaus zusammenarbeiten. Fünf Wissenschaftler der hiesigen Hochschule forschen an solchen umweltfreundlicheren Zweistoffmotoren, die „mit Diesel, Schweröl oder Erdgas betrieben werden“, so Fink. Auf dem Prüfstand der Fakultät für Maschinenbau und Schiffstechnik steht dafür der größte 1-Zylinder-Forschungsmotor einer europäischen Hochschule – basierend auf Wissen und Hardware von Caterpillar.

Die Forscher wollen mit ihrer Arbeit an der Uni Grundlagen für die Erfüllung künftiger Emissions- und Verbrauchsziele schaffen. Die Kooperation mit dem Unternehmen ist erfolgreich: „Wir arbeiten seit mehr als 15 Jahren mit Caterpillar zusammen, einige unserer Absolventen arbeiten derzeit bei Cat in Kiel“, sagt Prof. Horst Harndorf, Leiter des Lehrstuhls Kolbenmaschinen und Verbrennungsmotoren.

Außerdem seien Praktika auf den Prüfständen des Motorenherstellers bei Rostocker Studenten beliebt. „An unserem 1-Zylinder-Motor haben wir mehr Freiheiten als an einem Vollmotor“, unterstreicht Fink. So seien auf dem Prüfstand der Uni Ladedruck und -temperatur sowie Ventilsteuerzeiten besser variierbar.

Rund um den Forschungsmotor sind drei Dissertationen vorgesehen. Außerdem werden „Teilergebnisse des Projekts in die Lehre eingebunden“, so Fink. Schließlich werde Erdgas zunehmend interessanter für alle mobilen Anwendungen.

Warum Schleef gerade zu Zweistoffmotoren promoviert? „Erdgas als Kraftstoff für Schiffsantriebe bietet erhebliche Potenziale zur Senkung der Schadstoffemissionen. Unsere Forschung soll dazu beitragen, diese Möglichkeiten maximal zu nutzen“, so der Doktorand. Schließlich ist Lehrstuhlinhaber Prof. Horst Harndorf davon überzeugt, „dass unsere Forschung am 1-Zylinder-Motor neue ökologisch vertretbare Brennverfahren bringen wird.“

Unter Leitung seines Kollegen Prof. Egon Hassel vom Lehrstuhl für Technische Thermodynamik erfolgt die theoretische Betrachtung und Modellierung der Strömungs- und Verbrennungsvorgänge im Zweistoffmotor. „Die Simulation des Verbrennungsprozesses hilft uns, die ablaufenden Vorgänge besser zu verstehen und daraus gezielte Maßnahmen für die Versuche am Motorprüfstand abzuleiten“, sagt Sascha Andree, der ebenfalls eine Promotion innerhalb des Projekts anstrebt. Für Schleef sei es besonders wichtig, „Zusammenhänge zwischen den verschiedenen Stellgrößen zu erkennen“, so der 30-jährige Rostocker. So sei es möglich, das „System“ Motor immer besser kennenzulernen.

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