Jubiläum : Motettenchor feiert 50. Geburtstag

Seit dem Jahr 2000 leitet Markus Johannes Langer (l.) den Motettenchor, hier bei einer der wöchentlichen Proben in der St.-Johannis-Kirche
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Seit dem Jahr 2000 leitet Markus Johannes Langer (l.) den Motettenchor, hier bei einer der wöchentlichen Proben in der St.-Johannis-Kirche

Seit 1964 singt das Rostocker Vokalensemble auf höchstem Niveau. An diesem Wochenende sind zwei Festkonzerte geplant.

svz.de von
05. Juli 2014, 16:00 Uhr

„Wer nicht spricht, darf sich setzen.“ - Jeder, der einmal in einem Chor der St.-Johannis-Kantorei mitgesungen hat, kennt diesen Satz. Kantor Markus Johannes Langer benutzt ihn regelmäßig, um bei Chorproben für Disziplin zu sorgen. Die jungen Sänger des Kinder- oder Jugendchores kennen ihn, die Erwachsenen aber ebenso, sei es im Figural- oder im Motettenchor. Letzterer hat dieses Wochenende Grund zu feiern: Ein rundes Jubiläum steht an.50 Jahre ist es nun schon her, dass der Motettenchor vom früheren Kantor Hartwig Eschenburg gegründet wurde. Zu diesem Zeitpunkt wurde der Nordosten Deutschlands noch vom DDR-Regime regiert, das nicht für seine Kirchenfreundlichkeit bekannt war. Umso erstaunlicher, was der Chor damals schon erreichte.

„Vor der Wende war der Chor für viele eine Zufluchtsnische“, sagt Langer. Er übernahm den Motettenchor im Jahre 2000, gemeinsam mit den drei anderen Chören der Kantorei. „Dieser Chor war der einzige Kirchenchor, der damals die Erlaubnis erhielt, Tonaufnahmen zu machen“, berichtet er weiter. Kurz vor dem Mauerfall 1989 ergab sich für die Sänger sogar die Möglichkeit, eine Konzertreise nach Westdeutschland zu unternehmen. Nach der Wende folgten weitere Reisen durch verschiedene Länder des europäischen Kontinents.

Johannes Hübener ist bereits seit 1971 Mitglied des Motettenchores. Besonders gerne erinnert er sich an die zahlreichen Konzertreisen, die der Chor bereits unternommen hat. „1995 waren wir eine knappe Woche in den USA, das war schon etwas besonderes“, berichtet er. Für ihn bedeutet die Mitgliedschaft im Chor eine Art Auszeit: „Während des Singens kann man alles vergessen, den Alltagsstress und die Arbeit.“

Was den Motettenchor von anderen Chören unterscheidet, ist vor allem die musikalische Qualität: „Die Mitglieder des Chores sind sehr leistungsfähig, haben alle eine Gesangsausbildung und bereiten die Stücke zu Hause vor“, so Langer.

Eine Spezialität des Chores ist das A-Cappella-Singen, also ohne Begleitung durch Instrumente. Eine besondere Herausforderung für einen Chor, denn ohne Instrumente kann die Intonation schnell unsauber werden. Doch nicht nur die Professionalität macht den Chor aus. „Es handelt sich um eine Gruppe von Individualisten, die gemeinsam auf das gleiche Ziel hinarbeiten. Die Konzertreisen sind für den Erhalt der starken Gemeinschaft wichtig“, so Langer. „Die Ausflüge sind jedes Mal gut für den Zusammenhalt“, findet auch Julia-Mareike Kleiminger, seit sieben Jahren Chormitglied. „Die Proben sind immer so konzentriert, Kontakte knüpfen sich leichter, wenn man mit den anderen Leuten Zugfahrten macht oder ins Ausland fährt“, sagt sie.

Bei all den besonderen Konzerten und Reisen sind Langer doch einige besonders im Gedächtnis geblieben: „Beim Rheingau-Festival 2005 haben wir gemeinsam mit dem Hilliard-Ensemble gesungen, sogar der Komponist Arvo Pärt war damals anwesend. Die Matthäus-Passion von Bach 2006 mit Thomas Quasthoff ist auch eine sehr schöne Erinnerung.“ In Zukunft wird der Motettenchor weiterhin auftreten und umher reisen. Ein Traumziel steht für Langer fest: „Am liebsten würde ich einmal mit dem Motettenchor in der Kreuz- oder Frauenkirche in Dresden auftreten“, sagt er. Über die musikalische Vielfalt für die folgende Zeit macht der Kantor sich keine Sorgen:„Es gibt so viel schöne Chor-Musik, dass einem die Ideen nicht ausgehen.“

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