Prozess nach Attacke in Tessin : Mordversuch aus Eifersucht

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Räumte ein 30-Jähriger Bekanntschaften seiner Ex-Freundin aus dem Weg?

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26. April 2017, 21:00 Uhr

Wenn es stimmt, was die Kriminalisten in Rostock herausgefunden haben, dann wird am Landgericht Rostock von morgen an über einen der hinterhältigsten Mordversuche der vergangenen Jahre verhandelt. Aus Eifersucht soll ein 30-jähriger aus einem Dorf bei Tessin den neuen Freund seiner früheren Freundin in eine Falle gelockt und auf ihn eingestochen haben.

Während der Prozess beginnt, sucht die Staatsanwaltschaft indes weiter nach Beweisen für ein anderes Verbrechen, bei dem sie den Angeklagten als Täter vermutet. Ein 28-jähriger aus Kronskamp ist seit einem Jahr verschwunden. Der Angeklagte wird verdächtigt, in ihm einen Nebenbuhler gesehen und ihn ermordet zu haben. Der Angeklagte bestreitet alle Vorwürfe.

Seit knapp einem Jahr waren der Angeklagte und seine Freundin zusammen, als Anfang Oktober 2016 das gemeinsame Kind zur Welt kam. Unmittelbar danach trennte sich die Frau allerdings von dem Angeklagten und fing etwas mit einem 27-Jährigen aus Goritz bei Laage an.

Eines Tages trafen beide Männer in Laage in der Wohnung der jungen Frau aufeinander. Es muss es zu Eifersuchtsszenen gekommen sein. Laut Anklage schüttete der Angeklagte kurz darauf heimlich Stärke in den Tank des Autos des späteren Opfers. Als der 27-Jährige in der Abenddämmerung des 31. Oktobers deswegen in der Nähe seines Dorfes in einem Waldstück mit seinem Wagen liegenblieb, war – ob zufällig oder geplant ist unklar – der Angeklagte zur Stelle. Er parkte seinen Wagen mit blendendem Fernlicht hinter dem arglosen Opfer, und ging mit einem Messer auf den anderen los. Mit zwei lebensbedrohlichen Stichverletzungen flüchtete der Mann in den Wald und konnte sich verstecken, bis der Angreifer die Suche aufgab und nach Hause fuhr. Dort wurde er noch am selben Abend festgenommen.

Während der Ermittlungen fanden die Kriminalisten offenbar Hinweise, dass der mutmaßliche Messerstecher auch etwas mit dem Verschwinden eines 28-jährigen Mannes aus Kronskamp zu tun hat. Im Januar rückte die Polizei mit Baggern und Spürhunden auf dem Wohngrundstück des Angeklagten an, weil sie dort die Leiche des Vermissten vermutete. Die Suche war erfolglos. Die Staatsanwaltschaft dementierte, dass sie das Smartphone des Vermissten beim Angeklagten gefunden hat. Unwidersprochen blieb jedoch das Gerücht, dass der Mann aus Kronskamp vor gut einem Jahr die damalige Freundin des Angeklagten kennenlernte – und vom Angeklagten möglicherweise als Nebenbuhler angesehen wurde.

Kurz nach dem Verschwinden erschien auf der Facebook-Seite des Vermissten eine Nachricht an seine verzweifelt suchenden Facebook-Freunde: „Mann Leute geht mir nicht auf den Sack ich will einfach meine Ruhe ... lasst mich machen, ich bin alt genug tschüs.“ Ob sie der Vermisste selbst geschrieben hat, ist nicht geklärt.


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