Rostock : Monteure üben in luftigen Höhen

Eine Trainingsgruppe bereitet sich für spezielle Übungen vor.
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Eine Trainingsgruppe bereitet sich für spezielle Übungen vor.

Offshore-Trainingskurse im Fischereihafen finden wachsenden Zuspruch / Für Einsätze auf See ganzheitlich gerüstet

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11. November 2015, 12:00 Uhr

Neben dem Gebäude des Aus- und Fortbildungszentrums (AFZ) in Rostock-Marienehe ergänzt am Kai des Fischereihafens seit wenigen Wochen eine weitere Trainingsanlage die Ausbildungseinrichtungen. 13 Meter hoch reckt sich hier hinter den Liegeplätzen der Forschungsschiffe der Firma Krebs ein Metallgerüst auf einer Standfläche von etwa fünf mal drei Metern über die Wasserfläche empor. Es ist eine so genannte Boat-Landing-Anlage, auf der Monteure das Übersteigen von Transferbooten auf Offshore-Bauwerke sowie die Evakuierung von den Plattformen auf See trainieren können.

Es war eine schwere Geburt, bevor die Anlage – eine Investition von etwa 80 000 Euro – endlich in Betrieb genommen werden konnte, offenbart Volker Heinrich Seibert (44), der sich mehr Unterstützung von den Baubehörden der Hansestadt gewünscht hätte. Inzwischen ist hier diese Art Training aber in vollem Gange und ergänzt die Möglichkeiten an der Freifallanlage des AFZ mit dem dort installierten Steigweg für das Höhentraining.

Der Überstieg von einem sich mit dem Wind und Wellen bewegenden Boot auf ein Offshore-Bauwerk ist nicht nur bei rauer See gewöhnungsbedürftig und muss geübt werden. Um die verschiedenen Überstiegs-Möglichkeiten kennenzulernen, damit sie dann in Fleisch und Blut übergehen können, bietet die Einrichtung mit dem Trainingsturm und einem Boot – ergänzt durch die Vielzahl der Ausbildungseinrichtungen der AFZ-Schifffahrtsschule – dafür das praxisnahe Umfeld an. Die neue Anlage, so Seibert, sei ein Eins-zu-Eins-Abbild real existierender Anlagen an den Windparks und lasse auch das Anlegen der speziellen Boote für den Transfer der Crew zu.

Seit mehreren Jahren engagiert sich das AFZ in Sachen Arbeitssicherheit und Montagen an hochgelegenen Arbeitsplätzen und Offshore-Anlagen. Anfang 2014 wurden Anteile an der ISC Training & Assembly GmbH erworben, um die Offshore-Ausbildung, so Seibert, auf zukunftssichere Beine zu stellen. Dabei gehe es um eine ganzheitliche Ausbildung von der Beratung bis zum Training. Neben dem bisherigen Schulungszentrum der ISC am Molfsee bei Kiel kam Rostock als Ausbildungszentrum hinzu.

Das Unternehmen, das am Standort Rostock noch umfassendere Ausbildungsbedingungen bietet, ist nach ISO 9001 und den Richtlinien der Global Wind Organisation zertifiziert und gewährleistet somit den Qualitätsanspruch der Firmen.

Etwa 1500 Teilnehmer sind jährlich bei den verschiedenen Trainingskursen dabei. Firmen wie beispielsweise 50 Hertz oder Sartori & Berger nutzen diese Möglichkeit. Der Zuspruch wächst, sodass Mitte des Jahres bei gleichzeitig laufenden Kursen die Anzahl der Trainer erhöht werden musste. Sie kommen auf besonderen Wunsch mit mobilen Kletteranlagen aber auch zum Kunden – so sind beispielsweise Trainingscamps in Kroatien geplant.

Bei der Aus- und Fortbildung für Seefahrt und Offshore gibt es spezielle Anforderungen, aber auch Überschneidungen, sodass einige der Kapazitäten gemeinsam genutzt werden können.

ISC hat aber im Komplex auch eigene Einrichtungen, so eine Trockenkammer für die Rettungsanzüge und ein Tauchbecken. Und es gibt Ausbaupläne – von einer Trainingshalle bis zum Helikopter-Unterwasser-Ausstiegs-Service.

Schließlich wird intern die Ausbildung zum Offshore-Service-Windenergietechniker, also das Berufsbild eines Servicemonteurs, erörtert. Der AFZ-Komplex im Fischereihafen bietet insgesamt gute Ausbildungsbedingungen. Die Kooperation zwischen ISC und AFZ veranschaulicht allein, dass Volker Seibert sein Büro mit Stephan Szancsik, dem Bereichsleiter der Schifffahrtsschule, teilt.

44 Azubis absolvieren hier gegenwärtig ihre Schiffsmechaniker-Lehre. Ende November beginnt wieder eine Prüfungswoche. Zudem kommen wöchentlich 20 Seeleute zu so genannten Refresher-Kursen, sind jeweils hier auch Gruppen in Sachen Brandschutz und für Kreuzschifffahrt-Praktika in Aktion. Ein noch engeres Zusammenwirken mit weiteren im Areal ansässigen Unternehmen wird angesteuert.

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