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20. November 2017 | 14:57 Uhr

Megaimmobilie wird versteigert : Monopoly um Prora

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Nach dem Verkauf der einstigen Nazi-Immobilie Prora dreht sich das Verkaufskarussell weiter. Am 31. März wird der rund 500 Meter lange Block I der Megaimmobilie über ein Berliner Auktionshaus versteigert.

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erstellt am 22.Feb.2012 | 10:00 Uhr

Prora | Nach dem Verkauf der einstigen Nazi-Immobilie Prora an Privatinvestoren dreht sich das Verkaufskarussell um die als "Seebad der 20 000" geplante Anlage auf Rügen weiter. Am 31. März wird der rund 500 Meter lange Block I der Megaimmobilie über ein Berliner Auktionshaus versteigert. Mit dem Weiterverkauf der heute weitgehend verwahrlosten Anlage auf dem freien Markt sehen Historiker und Architekten die Privatisierung durch den Bund als gescheitert an. "Prora verkommt zu einem Spekulationsobjekt", sagte der Leiter des Dokumentationszentrums Prora, Jürgen Rostock. "Die kulturell-historische Dimension fand bei den Verkäufen keine Beachtung."

Prora wurde von den Nazis als 4,5 Kilometer langes Seebad mit 20 000 Betten geplant. Wegen des Kriegsbeginns 1939 ging der Bau als NS-Ferienanlage nie in Betrieb, er wurde zu DDR-Zeiten militärisch genutzt. Nach der Wende fiel die Immobilie an den Bund und wurde unter Denkmalschutz gestellt. 2004 begann die Privatisierung. Obwohl inzwischen vollständig vom Bund verkauft, steht der "Koloss von Rügen" bis heute weitgehend leer. Nur in einem 200 Meter langen Abschnitt wurde mit Landes-, Bundes- und EU-Mitteln eine Jugendherberge errichtet.

Das Mindestgebot für den nun zur Versteigerung stehenden Block liegt bei 798 000 Euro und damit knapp über dem Dreifachen des 2006 vom Bund erzielten Preises. Auktionator Mark Karhausen zeigte sich optimistisch, dass das Objekt mit 26 000 Quadratmeter Grundfläche und 216 000 Quadratmeter Grundstück Ende März einen neuen Besitzer findet. "Es gibt dort eine Menge zu investieren, aber auch eine Menge zu verdienen", sagte er. Interesse gebe es auch im europäischen Ausland.

Kritiker sehen sich mit dem Immobilien-Monopoly in ihren Zweifeln am Verkaufskonzept des Bundes bestätigt. Nach Ansicht Michael Bräuers, Vizedirektor der Abteilung Baukunst der Akademie der Künste, zeigt die Preisentwicklung, dass der Bund die Anlage deutlich unter Wert verkauft habe. Insgesamt erzielte der Bund 3,45 Millionen Euro. Die Behörde weist die Kritik zurück. "Wir sind mit dem wirtschaftlichen Ergebnis der Veräußerung zufrieden", sagte Raymund Karg von der für den Prora-Verkauf zuständigen Rostocker Niederlassung der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA). Den Preissprung nach dem Bundesverkauf 2006 führt die BIMA auf Wertschöpfungseffekte zurück, die durch die Erteilung des Baurechtes entstanden seien.

Kritiker beschäftigt auch die Frage, ob sich der Bund nun aller Möglichkeiten beraubt hat, auf die Entwicklung der Immobilie Einfluss zu nehmen. Trotz aller Festlegungen in den Kaufverträgen zwischen Bund und Käufern bangen die Museen wie das Dokumentationszentrum Jahr für Jahr um ihre Existenz.

Historiker sehen zudem eine weitere Gefahr: Bei einer Privatauktion sei nicht mehr auszuschließen, dass sich rechtsextremistische Gruppierungen über harmlos erscheinende Treuhändergesellschaften in die Immobilie einkauften. Auktionator Karhausen und die BIMA weisen solche Befürchtungen zurück. Ein Passus im jetzigen Kaufvertrag, dass der Käufer weder der rechtsextremistischen Szene angehöre noch für diese den Kauf tätige, soll auch in den neuen Vertrag aufgenommen werden, sagte Karg.

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