Bad Doberan / Heiligendamm : Molli unter Dampf

<strong>Nimmt wieder Fahrt auf:</strong> Seit dem vergangenen Wochenende rollt der Molli auf der sanierten Bahnstrecke. <foto>Danny Gohlke/dapd</foto>
Nimmt wieder Fahrt auf: Seit dem vergangenen Wochenende rollt der Molli auf der sanierten Bahnstrecke. Danny Gohlke/dapd

Die etwa 15 Kilometer lange Bahnstrecke zwischen Bad Doberan und Heiligendamm ist nach siebenmonatiger Bauzeit fast fertig. Am Freitag wird die Strecke für den Traditionszug "Molli" komplett freigegeben.

svz.de von
19. Juni 2012, 10:08 Uhr

Bad Doberan | Auf den Bahngleisen bei Heiligendamm arbeitet sich die tonnenschwere Stopfmaschine Schwelle für Schwelle vor. Polier Andreas Schröder beaufsichtigt die letzten Bauarbeiten an der Bahnstrecke des "Molli". Ein Metallarm hebt die neu verlegte Schiene samt Unterbau wenige Zentimeter an. So können zwei Greifer unter Höllenlärm den Granitschotter unter die Schwellen schieben. "Die Schienen müssen absolut fest liegen. Nur so kann der Zug ohne Probleme rollen", sagt Schröder. Am Freitag ist offizielle Streckeneröffnung nach siebenmonatiger Bauzeit.

Schröder ist bei Balfour Beatty beschäftigt, einem britischen Bauunternehmen, das mit seiner Deutschlandniederlassung die Sanierung der alten Gleisanlagen als Generalauftragnehmer im vergangenen November übernommen hatte. "Wir werden eine Woche früher als geplant fertig", sagt Angelika Münchow, Geschäftsführerin der Mecklenburgischen Bäderbahn Molli. Etwa 6,5 Millionen Euro seien investiert worden. Neben Gleisen wurden auch Weichen, Bahnübergänge, Sicherheitsanlagen und Bahnsteige erneuert.

An der Haltestelle Kühlungsborn-West seien Männer zwar noch dabei, Pflastersteine unmittelbar an der Bahnsteigkante neu zu verlegen, sagt Münchow. Die ersten Züge rollten aber schon probehalber seit dem Wochenende auf der gesamten, etwa 15 Kilometer langen Strecke zwischen Bad Doberan und Heiligendamm. Nach langer Pause solle endlich wieder Geld in der "Molli"-Kasse klingeln, sagt Münchow. "Das Urlaubsgeschäft während der Sommermonate ist für uns besonders wichtig. Da zählt jeder Tag. Die Restarbeiten bekommen wir auch bei laufendem Betrieb hin."

Zu den Restarbeiten gehört auch die laufintensive Tätigkeit von Mathias Schröder. Der Ingenieur prüft als unabhängiger Sachverständiger zu Fuß auf der gesamten Strecke, ob auch wirklich alles in Ordnung ist. "Die Abnahme unmittelbar nach Abschluss der Sanierungsarbeiten ist das eine. Jetzt kontrolliere ich, ob die neuen Gleise auch dem laufenden Bahnbetrieb standhalten", sagt Schröder, der im Auftrag der Deutschen Bahn unterwegs ist.

Ganz besonders sorgfältig nehmen der Sachverständige und der Polier eine Stelle nahe des Bahnhofs Heiligendamm in Augenschein. "Hier wurde bei der Sanierung ein großes Loch unter den Gleisen entdeckt, eine sogenannte Moorlinse. Nicht auszudenken, wenn der Molli da irgendwann mal eingebrochen wäre", erklärt Polier Schröder. Der Hohlraum wurde mit Betonsäulen gesichert und aufgefüllt. Die Gefahrenzone sollte nun für alle Zeit gesichert sein, "hier liegt alles felsenfest", sagt Gutachter Schröder.

Am Freitag ist die offizielle Streckeneinweihung geplant, ganz aus dem Stadtbild war der "Molli" aber auch während der Bauarbeiten nicht verschwunden. Je nach Sanierungsabschnitt fuhr der Dampfzug auf einzelnen Strecken, zuletzt zwischen Bad Doberan und der Rennbahn vor Heiligendamm. "Die alte Technik, die noch immer funktioniert, das wollen die Leute sehen und erleben", sagt Angelika Münchow. Und ganz zufällig fällt die Wiedereröffnung fast auf jenen Tag, an dem der Großherzog von Mecklenburg das Bahnprojekt auf den Weg gebracht hatte. Am 19. Juni 1886 hatte Friedrich Franz III. die Konzession für den Bau und den Betrieb der schmalspurigen Bahn erteilt.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen