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26. September 2017 | 16:48 Uhr

Rostock : Mörder zu lebenslanger Haft verurteilt

vom

Eine lebenslange Freiheitsstrafe wegen Mordes an den 41-jährigen Thomas K. hat die 3. Große Strafkammer des Landgerichts gestern gegen die Deutsch-Russen Philipp A. und Vladimir B. aus Rostock verhängt.

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erstellt am 04.Nov.2011 | 08:39 Uhr

Rostock | Eine lebenslange Freiheitsstrafe wegen Mordes an den 41-jährigen Thomas K. hat die 3. Große Strafkammer des Landgerichts gestern gegen die Deutsch-Russen Philipp A. (22) und Vladimir B. (25) aus Rostock verhängt. An insgesamt 23 Verhandlungstagen konnte das Geschehen rekonstruiert und der Tattag auf den 31. August 2010 festgelegt werden.

So war der Weg der beiden Angeklagten am Tattag an Hand der EC-Karte des Vladimir B., mit der er mehrmals am Abend Getränke bezahlte, genau zu verfolgen. Gegen 1 Uhr kauften sie am Nachtschalter der Agip-Tankstelle in Schmarl ein. Dort trafen sie auf Thomas K.. Es war Monatsende, er hatte kein Geld mehr und bat um ein Bier. Er lud sie in seine Wohnung ein. Gegen 1.30 Uhr trafen sie in der Krusensternstraße 8 ein. Ein Nachbar bezeugte später, dass Thomas K. mit zwei russisch sprechenden Männern ins Haus gekommen war. Die Angeklagten tranken mit Thomas K. das mitgebrachte Bier. An acht Flaschen wurden die DNA von Philipp A. gefunden, an je einer Flasche die Spuren von Vladimir B. und dem Opfer. Philipp A. verlangte als Gegenleistung für das Bier Gegenstände aus der Wohnung. Als der 41-Jährige das verweigerte, bedrohte Philipp A. ihn mit einem großen Küchenmesser mit Wellenschliff und Vladimir B. mit einem Obstmesser.

Beide Angeklagte misshandelten den Altenpfleger mit Faustschlägen. Sie zerrissen mehrere Bücher und urinierten gegen das Bücherregal. Gemeinsam zerrten sie ihr Opfer von der Couch. Am Gürtel von Thomas K. wurden die DNA-Spuren von beiden Angeklagten gefunden. Die Spuren weisen auch darauf hin, dass Philipp A. auf der Brust des 41-Jährigen saß, als er ihm den Hals bis zur Wirbelsäule durchschnitt. Thomas K. verblutete in wenigen Minauten. "Das Opfer war den Tätern schutzlos ausgeliefert", erklärte der Vorsitzende Richter.

Ein Zeuge, der durch den Krach in der oberen Wohnung wach wurde, sah, wie zwei Männer mit einem gefüllten blauen Müllsack das Haus verließen. Das Tatmesser, das im Keller der Mutter von Philipp A. versteckt war, trug die DNA-Spuren des 22-Jährigen. Auch der blaue Müllsack wurde dort gefunden. Er enthielt das Diebesgut aus der Wohnung des Opfers und außerdem auch die Belege über den Bierkauf in der Tankstelle.

Sicherungsverwahrung konnte nicht verhängt werden

"Das ist ein typischer Verdeckungsmord", sagte der Vorsitzende Richter. "Die Täter mussten eine Anzeige befürchten." Philipp A. habe allen Grund gehabt, den Raub und die schweren Körperverletzungen an Thomas K. zu verdecken. Er befand sich aufgrund zahlreicher Vorstrafen unter Führungsaufsicht. "Für diese abscheuliche und grausame Tat gibt es keine Milderung", sagte der Richter. Von einer Sicherungsverwahrung, wie von der Staatsanwaltschaft für Philipp A. gefordert, habe das Gericht absehen müssen. Aber Philipp A. muss einen Folgeprozess wegen sexuellen Missbrauchs fürchten. In seinem offenherzigen Schlusswort gab er zu, mit einem 13-jährigen Mädchen eine Tochter zu haben.

Für die lange Verhandlungsdauer machte der Vorsitzende Richter in seiner umfassenden Urteilsbegründung unter anderem deutliche Ermittlungspannen der Kriminalpolizei verantwortlich.

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