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Norddeutsche Neueste Nachrichten

20. November 2017 | 09:00 Uhr

Campus : Mladita Matei kämpft für ihr Recht

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Als Honorarkraft an der Universität: Für die Arbeit einer Festangestellten bekommt die 40-Jährige nur 21 Euro pro Stunde

von
erstellt am 28.Okt.2014 | 07:45 Uhr

Sie spricht fünf Fremdsprachen fließend und hat ihr Diplom mit Auszeichnung gemacht– trotzdem ist sie nicht fest angestellt. Stattdessen arbeitet Mladita Matei seit acht Jahren als Lehrbeauftragte für Italienisch am Sprachenzentrum der Uni Rostock.

Dort verdient sie 21 Euro pro Stunde. „Wenn ich noch Klausuren und Einstufungstests vorbereiten sowie korrigieren muss, kommen noch 1,50 Euro dazu“, sagt die 40-Jährige. Das reiche natürlich bei Weitem nicht für zwei Kinder, eigenes Büro, Krankenversicherung und Rentenvorsorge. Zum Vergleich: Fest angestellte Professoren verdienten nach Angaben der Gewerkschaft GEW etwa 133 Euro pro Lehrveranstaltungsstunde.

Um auf das Problem aufmerksam zu machen, hatte die GEW vergangenen Mittwoch zu einer Podiumsdiskussion mit dem Titel „Lehraufträge – ein institutioneller Missbrauch an den Hochschulen“ in der Uni Rostock eingeladen. Die Veranstaltung bildete den Auftakt zum bundesweiten Aktionstag der Lehrbeauftragten am 6. November in Schwerin.

„Die eigentliche Idee von Lehraufträgen war, die Hochschulen mit Expertise von außen zu bereichern“, sagt Sandra Vogt von der GEW. Mittlerweile lebten die meisten Lehrbeauftragten etwa an Sprachschulen oder Musikhochschulen allein von diesen Aufträgen. „Das führt dazu, dass viele Lehrbeauftragte wie Nomaden von Bundesland zu Bundesland, von Lehrauftrag zu Lehrauftrag ziehen.“ Von den mehr als 1 200 Lehrbeauftragten in MV sei ein signifikanter Anteil „hauptberuflich lehrbeauftragt“. Auch viele zentrale Studienbestandteile würden mittlerweile von dieser Gruppe anstatt von Professoren übernommen. Das sehe das Landeshochschulgesetz eigentlich nicht vor.

Warum Matei trotz solcher Bedingungen ihrem Job als freie Dozentin für Italienisch und seit 2009 auch für Rumänisch treu geblieben ist? „Weil die Arbeit mit den Studenten Spaß macht“, sagt die gebürtige Rumänin aus Bukarest. Über das Reichwerden habe sie sich nie Gedanken gemacht. Derzeit gibt sie einen vierstündigen Italienischkurs. „Maximal möglich wären zehn Stunden“, sagt Matei. Da jedoch jeder Kurs vier Wochenstunden umfasst, kann sie ohnehin nur acht erreichen. Doch jetzt hat Matei genug vom Kämpfen, von all dem Bitten um mehr Stunden und bessere Bezahlung: „Das ist mein letztes Semester im Sprachenzentrum, ich will mehr Geld verdienen“, sagt sie. Nun will Matei sich auf eine Festanstellung bewerben – weg vom Sprachenzentrum mit „seinen „autoritären Strukturen“, so die Lehrerin. Sie wolle nicht mehr von den fehlenden Sozialleistungen her als Selbstständige behandelt werden, aber dennoch „mit der Uni liiert sein“. Und nicht zuletzt will sie sich nicht mehr über Dinge wie die Streichung eines ihrer Intensiv-Seminare ärgern: „Nur weil zwei der zehn angemeldeten Studenten noch nicht bezahlt hatten, wurde der Kurs gestrichen“, sagt Matei – ohne Rücksprache mit ihr als Dozentin. „Das sind 1100 Euro Verlust für mich“, ärgert sich die Lehrbeauftragte. Dieser Umgang passe in ihren Augen nicht zu einem offenen Zentrum.

An der Uni Rostock sind 282 Lehrbeauftragte und Honorarkräfte beschäftigt, mit 103 die meisten davon an der Philosophischen Fakultät. Diese Zahl geht aus einer kleinen Anfrage der Linken vom Juli 2014 hervor.

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