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19. November 2017 | 02:26 Uhr

Mittelalterlicher Schatz strahlt wieder

vom

svz.de von
erstellt am 26.Mär.2012 | 07:06 Uhr

Stadtmitte | Es ist mehr als 500 Jahre alt und hat - niemand weiß genau wie lange - bis vor acht Jahren im Verborgenen geschlummert. Nun erstrahlt das Predellabild in neuem Glanz. Besucher der Marienkirche können das frisch restaurierte Kunstwerk im Nordquerhaus besichtigen. Am Donnerstag soll es während einer Passionsandacht der Öffentlichkeit präsentiert werden. "Das Bild ermöglicht einen interessanten Blick in die Geistigkeit des Mittelalters", sagt Karl-Bernhardin Kropf, Leiter der Marienkantorei. In monatelanger Feinarbeit hat der Restaurator Marcus Mannewitz dieses Zeitzeugnis so weit wie möglich wieder hergestellt und gesichert, sodass es nun für Kirchgänger, Touristen und Kunsthistoriker bewahrt werden kann.

Henry Lohse, Pastor der evangelisch-lutherischen Innenstadtgemeinde, berichtet: "Wir haben das Bild durch einen glücklichen Zufall entdeckt. Es war hinter einer anderen Tafel verborgen." Diese stand abgehängt in einem Nebenraum der Turmhalle. "Als wir die Nägel aus dem Holz zogen, kam hinter der Tafel das Bild zum Vorschein", so Lohse weiter. Er und seine Mitstreiter vermuten, dass es sich um ein so genanntes Predellabild handelt. Diese schmückten in der Regel die Sockel von Altären. Vor der Reformation habe es in der Marienkirche sehr viele Altäre gegeben, sagt Lohse. Nach und nach seien sie verschwunden, mitunter als Dielenbretter in Pfarrhäusern oder sonst wo wieder aufgetaucht.

Das Rostocker Predellabild zeigt Szenen und Gegenstände aus der Passionsgeschichte. "Christus ist hier als Schmerzensmann dargestellt", erklärt Pastor im Ruhestand Ulrich Naht. Er hat sich eingehend mit dem Inhalt des Gemäldes beschäftigt. Zentral ist Jesus mit Dornenkrone dargestellt. Er blutet aus den zahlreichen Wunden, die ihm bei der Kreuzigung zugefügt wurden. Zwei Engel halten ihm einen prunkvollen Mantel. Die beiden an den Bildrändern sitzenden Könige, so vermutet Naht, sind David und Salomo. Der Betrachter kann zahlreiche Details entdecken, die mit der Passionsgeschichte in Zusammenhang stehen. Nicht alle können eindeutig zugeordnet werden. "Auch uns geben manche Darstellungen noch Rätsel auf", sagt Kropf.

Knifflig war auch die Restaurierung. So sei das Gemälde mit einer Schicht Kasein, einem Bestandteil der Milch, überzogen gewesen. "Das ist eigentlich untypisch und hat für viel Spannung auf der Malerei gesorgt", erklärt Mannewitz. Schließlich sei es ihm und seinem Kollegen gelungen, den Überzug mit einem Enzym zu lösen. Eine weitere Herausforderung waren die Übermalungen an den Bildrändern. Denn nach barockem Ideal ist das etwa 2,50 Meter lange, rechteckige Bild zu einem Oval umgestaltet worden. Ein dunkler Holzrahmen wurde ringsum aufgenagelt.

All diese nachträglichen Veränderungen sind mittlerweile entfernt. Farben und Blattgold leuchten wieder. "Es ist eine sehr qualitätsvolle Arbeit", schwärmt Mannewitz. Beispielsweise an der Gestaltung von Christi Mantel sei das gut zu erkennen: "Das Muster ist regelrecht plastisch gearbeitet." Pastor Lohse freut sich über das neue Schmuckstück in seiner Kirche. Und wer weiß, was sich noch so in den Ecken und Winkeln verbirgt. "Bei einem so alten Gebäude ist man vor Überraschungen nie sicher," so Lohse.

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