Hansa-Krawallfan : Mithäftling belastet Kristian S. schwer

Seit Dezember sitzt Kristian S. in Untersuchungshaft.
Seit Dezember sitzt Kristian S. in Untersuchungshaft.

Hansafan Kristian S. (32) ist heute durch einen Mitgefangenen schwer belastet worden.

svz.de von
14. September 2015, 21:00 Uhr

Die Staatsanwaltschaft Rostock wirft dem 32-Jährigen vor, während mehrerer Hansa-Heimspiele im April und November 2014 Steine auf Polizisten geworfen zu haben. Er ist des versuchten Totschlags angeklagt.

Sein Mitgefangener Thomas C. (45) verbüßt zurzeit eine dreijährige Haftstrafe und bewohnt in der Justizvollzugsanstalt die Zelle gegenüber dem Angeklagten. Im Juni schrieb er zwei Briefe an den Landesverfassungsschutz, in denen er über Gespräche mit Kristian S. berichtete. Dieser sei ein Linksextremist, der mit der Roten Armeefraktion sympathisiere und zur Gewalt gegen den Staat aufrufe.

In Gesprächen hätte der Angeklagte zugegeben, Steine auf Polizisten geworfen zu haben. Ein Stein sei am Helm eines „Bullen“ abgeprallt. „Es habe den Richtigen erwischt“, hätte der Angeklagte gesagt. Als Grund für sein Tun nannte Kristian S. reine Selbstverteidigung. Die Ermittler hätten ihn anhand seiner auffallenden Schuhe und anderer Kleidungsstücke erkannt, die bei einer Hausdurchsuchung in seiner Wohnung gefunden wurden.

Der Zeuge berichtete weiter, dass der Angeklagte über Freunde die private Umgebung des Vorsitzenden Richters, den er als „seinen persönlichen Feind“ betrachte, ausspionieren ließ. Er habe ein Foto gesehen, das den Richter im Garten zeige, so Thomas C. Auch wäre der Polizeisportverein in Schwerin beobachtet worden, in dem fast alle Beamten trainieren. Um die Finanzierung seines Prozesses mache er sich keine Sorgen, habe Kristian S. gesagt. Er werde von der Roten Hilfe verteidigt. Der 32-Jährige soll auch gesagt haben, dass er und sein Freund schon länger im Fokus der Ermittler stünden. Laut den Aussagen wurden sie auf einer Demo gegen rechte Gewalt in Dresden von Polizisten eingekreist. Ihm sei außerdem klar, dass seine Lebensplanung im Eimer sei und er mit einer hohen Strafe rechnen müsse. Die Frage des Vorsitzenden Richters, ob ihm für die Aussagen gegen den Angeklagten etwas geboten worden sei, verneinte der Zeuge. Er habe auch keinen Antrag auf Freilassung nach Zwei-Drittel-Verbüßung der Haftstrafe gestellt. Vielmehr habe er es als seine Pflicht angesehen, den Verfassungsschutz zu informieren, sagte Thomas C. Die Zeugenbefragung wird am 5. Oktober fortgesetzt. Der Angeklagte hat sich bis jetzt noch nicht geäußert.

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