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Rostock: Marine Science Center : Mit Oktopus und Robbe in einem Boot

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Am hinteren Ende der Ostmole der Warnow leben acht Seehunde, ein Seebär, drei Oktopoden und zahlreiche Fischarten zusammen in einer besonderen Wohngemeinschaft mit Wissenschaftlern aus unterschiedlichen Fachbereichen.

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erstellt am 30.Jul.2013 | 12:02 Uhr

Hohe Düne | Am hinteren Ende der Ostmole der Warnow leben acht Seehunde, ein Seebär, drei Oktopoden und zahlreiche Fischarten zusammen in einer besonderen Wohngemeinschaft mit Wissenschaftlern aus unterschiedlichen Fachbereichen. Seit gut fünf Jahren arbeiten diese dort zusammen mit Marco, Luca, Fin und den anderen Robben auf der 50 Meter langen "Lichtenberg", die innerhalb des Yachthafens Hohe Düne liegt. Im Inneren des Marine Science Centers finden sich Büros, Seminarräume, eine Bibliothek, eine Werkstatt und ein Labor.

Zurzeit gibt es drei neue spannende Forschungsprojekte. An einem von ihnen arbeitet Tamara Heinrich. Sie ist Studentin an der Uni Rostock und will für ihre Masterarbeit herausfinden, ob und wie die Robben Handgesten interpretieren können. Dafür liegen mehrere Bälle - die so genannten Antwort-Targets - vor dem Seehund. Zeigt die Studentin auf einen der Bälle, muss Seehund Marco genau wissen, auf welchen Ball sie gezeigt hat. "Ich will wissen, ob sich das Tier überhaupt vorstellen und merken kann, dass etwas Bestimmtes passiert, es zum Beispiel einen Fisch zur Belohnung gibt, wenn ich mit der Hand auf einen der Bälle zeige", so Heinrich.


Tiere zeigen, wie Roboter arbeiten könnten

Für einen Antrag bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft laufen gerade die Vorversuche. "In einem halben Jahr wissen wir, ob unsere Arbeit fruchtet", sagt Physiker Lars Miersch. Für die aktuellen Versuche sind Lautsprecher unter der Wasseroberfläche montiert worden. "Wir nehmen an, dass die Seehunde genau orten können, aus welcher Richtung welcher Ton kommt", so Miersch weiter. Zudem können Seehunde mit ihren Barthaaren, den Vibrissen, feinste Spuren von Verwirbelungen - so genannte hydrodynamische Spuren - noch in großer Entfernung spüren und sich so ihr Futter fangen.

Die Arbeitsgruppe "Sensorische und kognitive Ökologie" zählt mit dieser Grundlagenforschung zu den weltweit führenden. "Wir wollen die besonderen Fähigkeiten und Eigenschaften der Tiere verstehen und nutzen. Warum können die das mit ihren Barthaaren? Das fragen wir uns", unterstreicht der Physiker. Die Arbeitsgruppe will somit über die reine Grundlagenforschung hinaus gehen und hat sich zum Ziel gesetzt, biologische Phänomene in die Technik zu überführen. "Wir schauen also mit dem bionischen Auge und arbeiten daher auch mit Ingenieuren zusammen", so Miersch weiter. In Hohe Düne arbeitet man so vor allem daran, die Ergebnisse bei der Entwicklung technischer Sensoren umzusetzen, die überwiegend in der Unterwasser-Robotik eingesetzt werden.

Faszinierende Tiere sind neben den Robben die drei Oktopoden, die auf der Forschungsstation leben. Geschmeidig bewegen sich Oktopus Tintoretto und seine beiden Artgenossen in ihren Aquarien. Allein die Bewegung ihrer Arme und wie sie mal schnell, mal langsam durch das Wasser gleiten, ist ein beeindruckendes Schauspiel. Mit Experimenten können auch bei den Oktopoden die visuell kognitiven Fähigkeiten untersucht werden. Das außergewöhnliche Können dieser Meerestiere und ihre enorme Lernfähigkeit wollen die Forscher auf eine solide experimentelle Grundlage stellen. "Auch hier wollen wir herausfinden, was sie leisten können, was die Weichtiere sehen und ob sie bestimmte Aufgaben verstehen können", erklärt Miersch und fügt an, dass die Oktopoden nicht länger als zwei bis drei Jahre leben und deshalb eine schnelle Lernfähigkeit umso wichtiger für sie sei.

Auf dem Sonnendeck können Besucher die Arbeit beobachten

Wer Fin, den Südafrikanischen Seebären und die acht Seehunde, die im Forschungszentrum leben einmal hautnah erleben will, kann sie auf der "Lichtenberg" besuchen. Das Marine Science Center ist für Gäste täglich von 10 bis 16 Uhr geöffnet. Vom Sonnendeck des Schiffes aus lassen sich die an Land eher schwerfälligen, im Wasser aber äußerst eleganten Tiere, die Arbeit der Wissenschaftler und das tägliche Training gut beobachten. Ein Mitarbeiter vor Ort steht stets als Ansprechpartner für alle Fragen und Erläuterungen zur Verfügung. Mutige können nach vorheriger Anmeldung sogar einen Tauchgang mit den Robben wagen oder ihnen zumindest mal den einen oder anderen Hering zustecken.

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