Mit Musik groß werden können

<strong>Früh übt sich:</strong> Schülerin Kassandra Siebel wird von Prof. Christiane Hutcap und Prof. Stephan Imorde intensiv gefördert.<foto>nicp</foto>
Früh übt sich: Schülerin Kassandra Siebel wird von Prof. Christiane Hutcap und Prof. Stephan Imorde intensiv gefördert.nicp

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24. Juni 2012, 07:29 Uhr

Rostock | Theater, Museen, Lesungen und Architektur - Rostock hat kulturell einiges zu bieten. Damit sich diese Vielfalt in die richtige Richtung weiterentwickelt, will sich die Stadt kulturpolitische Leitlinien geben. Ein erster Entwurf liegt vor und wartet darauf, von den Rostockern mit Leben erfüllt zu werden. Die NNN stellen eine Woche lang die Leitlinien vor und zeigen, wo sie bereits umgesetzt werden und wo Rostock noch nachbessern kann.

Janne-Lisabeth ist erst zehn Jahre alt, spielt aber schon seit vier Jahren Geige - und das leidenschaftlich gern und herausragend. Sie ist eines von 73 Kindern und Jugendlichen, die an der Young Academy Rostock (Yaro) studieren. Dieses Projekt fördert musikalisch besonders begabte Kinder und unterstützt somit den Unterricht an den Musikschulen.

Damit ist die Yaro ein echter Lichtpunkt für Rostocks zukünftige Kulturpolitik, zumindest wenn es nach den kulturpolitischen Leitlinien geht. Die sehen vor, kulturelle Bildung mit einem besonderen Schwerpunkt auf musische Bildung vielfältig, in Kooperation mit mehreren Einrichtungen, in allen Stadtteilen und für alle Schichten zu gestalten.

Jannes Ausbildung bei der Yaro scheint diesen Anspruch bereits zu erfüllen. "Es hat mir schon sehr viel gebracht", sagt die Zehnjährige. Ihre Mutter spielt in der Norddeutschen Philharmonie, unterrichtet sie zu Hause. Einmal im Monat wird Janne in der Hochschule für Musik und Theater (HMT) von Prof. Christiane Hutcap, einer Koryphäe auf ihrem Gebiet, geschult. Dazu kommt der musiktheoretische Unterricht. Bezahlen müssen Jannes Eltern diese Begabtenförderung nicht.

Dennoch ist musikalische Frühbildung auch in Rostock schichtspezifisch: Nicht jedes Kind hat den gleichen Zugang dazu - je nach Lebenssituation der Eltern. Das weiß auch der Leiter der Yaro, Prof. Stephan Imorde. Doch zumindest bei Yaro lernten nicht nur Kinder wohlsituierter Familien, zudem kämen sie aus allen Teilen Deutschlands, um bei den Lehrern der HMT unterrichtet zu werden.

Das Projekt "Jedem Kind ein Instrument" (Jeki), in dessen Vorstand Imorde sitzt, soll noch mehr Kinder erreichen. Seit 2009 wird dabei die musikalische Frühbildung von Grundschülern im Rostocker Nordosten unterstützt, ihr Musikunterricht ergänzt. Rund 60 Schüler nehmen teil. "Es gibt gewisse Stiltechniken, die man sehr früh fördern muss, die Intensität der musikalischen Bildung ist sehr wichtig", sagt Hutcap. So sollen Talente unabhängig von ihrer Lebenssituation auffallen. An der Yaro gebe es einen ganzen Pool von Hochbegabten.

Dazu gehört auch Kassandra Siebel. Die 18-Jährige ist Frühstudentin. Sie spielt seit elf Jahren Gitarre. Beim Bundeswettbewerb "Jugend musiziert" erreichte sie die volle Punktzahl. Frühstudenten sind in der Regel Schüler ab 14 Jahren, die klar auf eine Berufsausbildung im musikalischen Bereich hinarbeiten, erklärt Imorde. Kassandra kam extra für den Unterricht bei Prof. Thomas Offermann aus Berlin nach Rostock, wohnt im Internat der Christophorusschule (CJD). Mit dem CJD haben Imorde und seine Schüler einen Unterstützer gefunden. Kassandra macht dort ihr Abitur gestreckt über drei Jahre. "So habe ich mehr Zeit", sagt sie - für die Schule, die Musik und ihre Freunde.

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