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Helios-Chefarzt an der Entwicklung moderner Tumortherapie beteiligt : Mit Hitze gegen Lebermetastasen

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Bei Krebspatienten mit Lebermetastasen hilft meist keine Operation, da der Gewebeverlust zu groß ist. Die Lösung besteht in der Verödung von Lebermetastasen durch Radiofrequenz- oder Laserenergie.

Schwerin | Als sei die Diagnose Krebs nicht schon schlimm genug, entwickeln sich bei 50 bis 70 Prozent der Betroffenen auch noch Tochtergeschwülste. Am häufigsten finden diese sich in der Leber. "Etwa die Hälfte aller Lebermetastasen sind bereits vorhanden, wenn der Haupttumor festgestellt wird", so der Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie an den Helios Kliniken Schwerin, Prof. Dr. med. Jörg-Peter Ritz. Viele Patienten, bei denen das der Fall ist, resignieren, glauben, dass ihnen nun keiner mehr helfen kann.

Tatsächlich aber kann auch dann bei vielen Betroffenen die Erkrankung noch aufgehalten werden. Eine vollständige Heilung ist jedoch oft nicht mehr möglich - es sei denn, es gelingt, die Metastasen vollständig operativ zu entfernen oder sie mit anderen Therapieverfahren zu zerstören. An der Entwicklung eines solchen Verfahrens, das heute bereits in vielen deutschen Krankenhäusern erfolgreich eingesetzt wird, hat Prof. Ritz nicht unwesentlichen Anteil.

Operation hat nach wie vor Vorrang

Vor ca. 15 Jahren begann er an seiner früheren Wirkungsstätte, der Berliner Charité, zusammen mit Kollegen nach Alternativen zu einer operativen Entfernung von Lebermetastasen zu suchen. "Die Therapie der Wahl ist, wo immer möglich, auch heute noch die operative Entfernung", erläutert der Chirurg, den die Charité erst im September in Anerkennung seiner Verdienste zum außerplanmäßigen Professor ernannt hat. Doch die Operation hat Grenzen, die unter anderem durch die Anzahl und die Lage der Metastasen, den Zustand des Patienten und die Art des Primärtumors bestimmt werden. "So sind letztlich höchstens 20 bis 30 Prozent der Lebermetastasen operativ entfernbar", schätzt Ritz ein, "in diesen Fällen aber auch mit sehr gutem Erfolg und der Chance auf Heilung."

Ein Nachteil der Operation ist der damit verbundene relativ große Gewebeverlust, schließlich muss rings um die Metastasen immer auch noch ein Sicherheitssaum ausgeräumt werden. Zwar kann sich das Organ selbst dann noch komplett erneuern, wenn mehr als die Hälfte entfernt werden musste. Doch gerade im Umfeld der großen Blutgefäße nützt auch dieses außerordentliche Regenerationsvermögen nichts, denn dort zu schneiden hieße, die Durchblutung ganzer Leberlappen aufs Spiel zu setzen.

Die Lösung, die Prof. Ritz und seine Berliner Kollegen für dieses Problem fanden, besteht in der Verödung von Lebermetastasen durch Radiofrequenz- oder Laserenergie. Bei dieser in-situ Ablation - so der medizinische Fachausdruck - wird eine Metastase vor Ort in der Leber zerstört. Dazu wird ein Applikator, eine dünne Nadel, in die Leber eingeführt - entweder minimal-invasiv durch die Haut oder in Kombination mit einer Operation. Über den Applikator wird Hitze in der Metastase erzeugt und diese so "verkocht", also thermisch verödet.

Doch auch dieses Verfahren hat seine Tücken. So kann der Chirurg nach der chirurgischen Entfernung einer Metastase in der Pathologie prüfen lassen, ob sie tatsächlich vollständig entfernt wurde. Bei der Ablation gibt es diese Kontrollmöglichkeit nicht. Auch moderne bildgebende Verfahren sind nicht dazu in der Lage, etwaige Restzellen sicher zu zeigen. "Ein weiteres Problem ist, dass die Blutgefäße in der Leber zum Wärmeabtransport führen, ein Gefäß in unmittelbarer Nähe der Metastase hat also einen Kühleffekt", erläutert Prof. Ritz. "Das wiederum hat Auswirkungen darauf, wie sich die Hitze ausbreitet - und also auch darauf, wo wieviel Gewebe wo verödet wird."

Computerprogramm unterstützt den Operateur

Die Arbeitsgruppe an der Charité, die Ritz seit seinem Wechsel nach Schwerin im Sommer zwar nicht mehr leitet, der er aber immer noch angehört, arbeitet nun zusammen mit einem Forschungspartner in Bremen an einem Verfahren, mit dem die individuelle Anatomie des Patienten bei der Operationsplanung und -durchführung besser berücksichtigt werden kann. "Dazu lassen wir dreidimensionale Bilder von der Leber des Patienten durch eine spezielle mathematische Software laufen", erläutert der Chirurg. Am Computer werde dann errechnet, wo die Applikatoren idealerweise platziert werden sollen und wieviel Gewebe zerstört wird.

Zukunftsmusik, so Prof. Ritz, sei es, vom Computer auch gleich noch eine Navigation für den Operateur errechnen zu lassen - möglich sei auch das, so der Schweriner Chirurg, doch ohne weitere Förderung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft sicher nicht finanzierbar.

Auch die in-situ Ablation kommt - wie die Operation - nur für jeden fünften Patienten mit Lebermetastasen in Frage. Dennoch haben selbst diejenigen, denen die Chirurgen nicht mehr helfen können, heute weitaus bessere Chancen als noch vor zehn Jahren. "Damals hatten Menschen mit Lebermetastasen häufig nur noch wenige Monate zu leben gehabt", so Prof. Ritz. Heute seien es dank der Kombination verschiedener Therapien und moderner Chemotherapie nicht selten mehrere Jahre."

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erstellt am 07.Dez.2011 | 11:28 Uhr

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