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19. November 2017 | 00:44 Uhr

Mit dem Opernbus nach Schwerin?

vom

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erstellt am 02.Jul.2013 | 06:26 Uhr

Rostock | Zwar hat sich Rostock aus den Verhandlungen zur landesweiten Theaterstrukturreform zurückgezogen, unberührt bleibt die Hansestadt von den Ergebnissen aber nicht. Die Empfehlungen zur Sanierung des Mecklenburgischen Staatstheaters Schwerin, die die Beraterfirma Metrum nun vorgestellt hat, betreffen auch das Rostocker Volkstheater. Denn darin wird der Landeshauptstadt nahegelegt, mit dem Mecklenburgischen Landestheater Parchim zu fusionieren. Dieses ist seit 2010 Kooperationspartner der Rostocker Bühne. Im Gutachten von Metrum heißt es allerdings: "Voraussetzung für die Integration ist eine Kündigung des Kooperationsvertrages." Wobei Integration in diesem Fall bedeutet, dass das Parchimer Theater zusammen mit der Fritz-Reuter-Bühne als eigenständige Sparte innerhalb eines Mecklenburgischen Staatstheaters bestehen soll.

"Wir haben uns klar dazu positioniert, dass wir die Kooperation mit dem Volkstheater fortsetzen wollen", sagt Thomas Ott-Albrecht, Intendant des Landestheaters Parchim. Unter bestimmten Bedingungen sei Parchim sicher bereit, auf das Schweriner Theater zuzugehen: "Aber nicht zu Lasten Rostocks." Auch aus der Hansestadt gibt es ein klares Bekenntnis zum Kooperationspartner. "Die Zusammenarbeit hat sich außerordentlich bewährt und es ist unser Wunsch, dies auch fortzusetzen", sagt Rostocks Kultursenatorin Dr. Liane Melzer (SPD). De facto könnte der Kooperationsvertrag frühestens zum 1. Januar 2015 aufgelöst werden, mit einjähriger Kündigungsfrist.

Ein weiterer Punkt des neuen Metrum-Papiers sorgt in Rostock für Unmut. Darin wird aufgezeigt, welche Landeszuschüsse das Schweriner Theater künftig erhalten soll. Bis 2020 sollen diese auf 10,6 Millionen Euro angehoben werden - darin enthalten: die Mittel aus dem ab 2016 neu geordneten Finanzausgleichsgesetz (FAG). Diese Zuschüsse sollen sich künftig nicht mehr an den Besucherzahlen, sondern an den Einwohnerzahlen des Einzugsbereiches orientieren. Für Schwerin ergibt das 3,1 Millionen. Zum Vergleich: Für Rostock und den Landkreis fallen drei Millionen ab. Darüber hinaus erhält das Schweriner Theater Gelder, die vom Kultusministerium nach inhaltlichen Gesichtspunkten vergeben werden. Minister Mathias Brodkorb (SPD) erklärte bereits, dass hier die Bereitschaft der Theater zur Kooperation bei der Strukturreform als Maßstab gilt.

Für Volkstheater-Geschäftsführer Stefan Rosinski ist unverständlich, warum Rostock weniger Geld erhalten soll. "Denn eigentlich war es doch das Ziel, zu sparen", sagt er. Nun rechne Schwerin aber mit steigenden Kosten. Rostock hingegen habe mit dem Abbau von mehr als 60 Stellen in den vergangenen fünf Jahren, der bevorstehenden Schließung des Theaters im Stadthafen und dem Austritt aus dem Flächentarif bereits eigenständig Sparmaßnahmen ergriffen. "Hier wird der belohnt, der zunehmend mehr kostet. Der, der es geschafft hat, in einem finanziellen Rahmen zu bleiben, guckt in die Röhre", so Rosinski.

Am Schluss des Gutachtens schlägt Metrum vor, das Schweriner Theater möge einen Opernbus einrichten, der Rostocker in die Landeshauptstadt bringe. Denn es sei unklar, ob es in der Hansestadt mittelfristig noch ein Musiktheater gebe. "Darüber bin ich ein Stück weit fassungslos", sagt Melzer. Schließlich habe sich die Bürgerschaft klar zu einem eigenständigen Vier-Sparten-Theater bekannt. Tatsächlich basiert die Vermutung des Beratungsunternehmens auf einer Bemerkung von Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos). Er hatte ein Zwei-Sparten-Modell mit Schauspiel und Orchester ins Spiel gebracht.

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