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Norddeutsche Neueste Nachrichten

19. November 2017 | 13:34 Uhr

Mit dem Fahrtenmesser zugestochen

vom

svz.de von
erstellt am 19.Feb.2013 | 09:58 Uhr

Rostock | Trieb die Eifersucht Mario E. zu einer brutalen Tat? Am 27. August 2012 soll der 32-jährige Gärtner in Toitenwinkel versucht haben, den neuen Freund seiner Ex-Freundin im Schlaf umzubringen. Die Anklage wirft ihm versuchten heimtückischen Mord vor. Gestern begann gegen Mario E. der Prozess vor dem Rostocker Landgericht.

Rückblick: Am frühen Morgen des 27. August soll der Angeklagte gegen 4 Uhr über den Hintereingang in das Haus Zum Vogelnest 11 geschlichen und die Wohnungstür seiner Ex-Freundin Claudia E. (25) mit einer Chip-Karte geöffnet haben. Lautlos sei er in die Wohnstube getreten, wo auf der Ausziehcouch die junge Frau und ihr neuer Freund Uwe W. (25) friedlich geschlafen haben. Mit einem Bundeswehr-Fahrtenmesser soll der Angeklagte sofort auf den Hals des schlafenden Mannes eingestochen und die er wachende Freundin mehrmals mit einem Elektroschocker angegriffen haben. Uwe W. erlitt durch den Messerstich lebensgefährliche Verletzungen, die notoperiert werden mussten.

"Ich wollte den Mann nur zur Rede stellen", sagte der Angeklagte gestern vor Gericht und fügte hinzu: "Ich bin nicht mit der Absicht hingefahren, jemanden zu verletzen." Es habe ein Handgemenge und viel Geschrei ge geben. "Ich sah nur noch Hände und Arme." Seine Ex-Freundin sei wach geworden und habe ihn festgehalten. "Da musste ich den Elektroschocker einsetzen." Danach sei er mit ihr aus der Wohnung geflüchtet. "Es war alles ein Selbstläufer", meinte der Angeklagte. "Von einem Handgemenge mit ihrem Opfer vor dem Messerstich haben Sie in ihren polizeilichen Vernehmungen aber nichts gesagt", sagte der Vorsitzende Richter. "Sie seien mit dem Gedanken aufgewacht: Den Mann bringe ich um, heißt es da. Sie hätten sich ganz bewusst den Hals des Mannes ausgesucht, weil das Messer dort lautlos und schnell eindringen konnte." Und der Richter erinnerte ihn an weitere Passagen seiner Aussagen. "Mit dem Elektroschocker wollten Sie Ihre Ex-Freundin ruhigstellen und als die erwartete Wirkung nicht eintrat, zerrten Sie sie die Treppe herunter. Claudia E. fiel in Ohnmacht und Sie ließen sie liegen und traten die Flucht an." Der Angeklagte erklärte diesen Widerspruch so: "Ich stand zum Zeitpunkt der Vernehmung unter Schock."

Uwe W. und auch Claudia E. wurden gestern als Zeugen gehört. "Ich weiß nicht, wie der Angeklagte in die Wohnung gekommen ist", sagte der 25-Jährige. Im Halbschlaf habe er eine Gestalt gesehen, aber nicht mit dem Angeklagten in Verbindung gebracht. "Ich merkte nur ein warmes Fließen am Hals. Schmerzen habe ich nicht gespürt und auch keinen Messerstich." Claudia E. zitterte am ganzen Körper, als sie ihrem Peiniger wieder unter die Augen treten und die grausame Nacht in Gedanken noch einmal erleben musste. Sie sei von dem Schreien ihres Freundes auf gewacht und habe ihren Ex-Freund Mario E. sofort erkannt. Kurz darauf habe sie nur Blitze gesehen und die Stromschläge in ihrem Körper gespürt. "Als ich wieder zu mir kam, lief ich in die Wohnung. Dort fand ich meinen Freund in einer Blutlache. Ich versuchte die Wunde abzudrücken und rief den Notruf", sagte sie.

Über die Verhaftung des Angeklagten berichteten gestern Polizeibeamte. Mario E. sei von Toitenwinkel in den Garten seiner Eltern in Bentwisch geflohen. Als er die Hubschrauber und auch Hundegebell hörte, sei er zu seinem in der Gartenanlage geparkten Wagen gegangen und habe sich dem ersten Beamten gestellt. Der Angeklagte und seine Ex-Freundin waren neun Jahre zusammen. "Wir hatten uns auseinandergelebt", sagte Claudia E. "Es war eine Wochenendbeziehung." Mario E. arbeitete in Wittenburg und wohnte in Hagenow. "Ich wurde mit der Trennung im Mai 2012 nicht fertig und suchte immer wieder ihre Nähe", sagte der Angeklagte. Der Prozess wird am 25. Februar fortgesetzt.

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