Gesund in Rostock : Mit Bewegung lässt sich vieles verbessern

Professor Hans-Christof Schober: 3000 Rostocker gewogen und gemessen
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Professor Hans-Christof Schober: 3000 Rostocker gewogen und gemessen

Internist Hans-Christof Schober wünscht sich mehr Prävention / Immer mehr Rostocker sind übergewichtig

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03. September 2015, 08:00 Uhr

„Der Organismus ist ein fein reguliertes System mit Beteiligung der Drüsen. Drüsen schütten Botenstoffe, also Hormone, aus. Werden zu viel oder zu wenig Botenstoffe produziert, können Krankheiten entstehen“, erklärt Prof. Hans-Christof Schober, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin I und Ärztlicher Direktor des Klinikums Südstadt.

Ein häufiges Beispiel: Eine Drüsenerkrankung wie eine Schilddrüsenüberfunktion würde sich unter anderem durch Herzrasen, permanentes Schwitzen und eine starke Gewichtsabnahme bemerkbar machen. „Krankheiten der Drüsen laufen aber häufig versteckt ab“, sagt Schober und erläutert an einem Beispiel: „2009 kam eine Patientin zu uns, die seit 2006 über Luftnot, Müdigkeit und Schlaflosigkeit klagte. Bis wir herausgefunden haben, dass sie an einer Nebennierenüberfunktion litt, sind drei weitere Jahre vergangen. 2012 wurde sie operiert. Seitdem sind alle Beschwerden weg.“ Die Krankheit der Frau hatte sich getarnt. „Oft gibt es klare klinische Anzeichen. Typisch bei ihr wäre ein dauerhaft rotes Gesicht gewesen ebenso wie eine Gewichtszunahme.“ Die Überproduktion von Hormonen kann Folgen haben: Osteoporose, Bluthochdruck und Diabetes sind nur drei Beispiele.

Chefarzt Schober sieht im Jahr 1200 Patienten in der Sprechstunde. Zwei Drittel von ihnen leiden an Osteoporose. „Als Mediziner führen wir die Diagnostik und die Therapie durch. Schöner wäre aber die Prävention“, so Schober. Vor einigen Jahren habe er eine Studie der Universitätsmedizin begleitet, bei der ältere Frauen zwei Mal in der Woche an einem Step-Aerobic-Kurs teilnahmen. „Ihre Muskelkraft hat sich um zehn Prozent erhöht“, sagt Schober. „Wenn man sich bewegt und belastet, kann sich auch im höheren Alter vieles verbessern. Fehlende Bewegung und neue Ernährungsgewohnheiten führen zu Krankheiten“, fügt er hinzu. Der gesellschaftliche Wohlstand sei Nonsens für den menschlichen Organismus – und auch ein Grund dafür, dass es so viele Übergewichtige gebe. „In der Zeitschrift Men’s Health stand vor einiger Zeit, dass die Rostocker die dicksten Deutschen seien. Daraufhin haben wir 3000 Rostocker gewogen und gemessen“, so Schober. Das Ergebnis: 70 Prozent seien übergewichtig und 34,8 Prozent der Über-50-Jährigen sogar stark übergewichtig gewesen. „Adipositas nimmt zu und wird zu einem riesigen Problem. Unsere Aufgabe ist es, die Übergewichtigen zu motivieren. Abnehmen bedeutet auch immer eine Lebensstiländerung“, betont der Internist. Er empfiehlt: Sechs Stunden Pause zwischen den Mahlzeiten und 10 000 Schritte am Tag. „Wenn das so weiter geht, wird 2020 das gesamte Geld der Medizinbranche in die Diabetestherapie fließen“, prophezeit Schober. Hilfe ist möglich.

Der Chefarzt erinnert sich an einen jungen Mann, geboren 1990: „2013 kam er zu uns. Mit einem Gewicht von 150 Kilo, einem Bauchumfang von 150 Zentimetern, mit Bluthochdruck und einer verfetteten Leber. Er hat unter ärztlicher Aufsicht sein Leben umgestellt und in zwei Jahren 45 Kilo abgenommen.“ Wer nicht auf sich achtgibt und seine Ernährung nicht seinem Alter anpasst, nimmt zu: „Unser Organismus ist so ausgerichtet, dass wir eher zunehmen. Frauen ab 50 Jahre nehmen durchschnittlich jährlich ein Kilo zu.“ Grund sei der Östrogenmangel nach der Menopause.

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