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Güstrows Stadtvertreter zögern bei neuer Wohnbebauung : Misstrauen nach unguter Erfahrung

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Im so genannten Kessinerviertel plant ein Investor den Bau neuer Wohnungen. Doch Stadtvertreter verspüren ein unangenehmes Grummeln im Magen, tun sich mit der Zustimmung schwer.

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erstellt am 28.Nov.2011 | 12:02 Uhr

güstrow | Im so genannten Kessinerviertel, benannt nach dem einst in unserer Region ansässigen Slawenstamm, plant ein Investor den Bau neuer Wohnungen. Seit 16 Jahren bemüht sich die Stadt Güstrow, den Bereich zwischen Niklot-, Wenden-, Rostocker und Neukruger Straße zu ordnen. Der Bau einer Sporthalle und von Wohnungen Mitte/Ende der 1990er-Jahre waren schon große Schritte. Jetzt - zwischenzeitlich in privatem Besitz - wäre das Gebiet südlich davon, zwischen der früheren PGH Motor und den einstigen Kasernenbauten, dran. Doch Stadtvertreter verspüren ein unangenehmes Grummeln im Magen, tun sich mit der Zustimmung schwer.

Die Ursache liegt an einem ganz anderen Ort der Barlachstadt: zwischen Schwarzem Weg und Wallensteinstraße. Hier entsteht ein neues Wohngebiet - zentrumsnah, aber auch direkt neben dem Studentenklub Stuk gelegen, eine bekannte Lärmquelle. Bis heute, da längst gewohnt wird, ist die Problematik eines Lärmschutzes für das Neubaugebiet nicht geklärt. Ähnliches befürchten wohl Mitglieder des Ausschusses für Stadtentwicklung auch im Kessinerviertel - und verweigern mehrheitlich dem Vorhaben die Zustimmung. Dabei ist schon vorsorglich in den Planungsunterlagen die Errichtung einer drei Meter hohen berankten Lärmschutzwand als Voraussetzung für den Baubeginn festgelegt. Das geplante kleine Wohngebiet, das nur einen knappen Hektar umfasst, grenzt im Osten nämlich direkt an die inzwischen hier ansässig gewordene Güstrower Feuerwehr und dem ebenfalls neuen Stützpunkt des Technischen Hilfswerkes (THW).

Die Stadt hatte für diesen Konflikt bereits beim Ausbau der Landesbrandmeister-Bever-Straße zur öffentlichen Zufahrt in das kleine Mischgebiet, zu dem u.a. das Post-Brieflager und kleinerem Gewerbe gehören, Vorsorge getroffen. Die Feuerwehr-Ausfahrtampel sei so geschaltet, dass das Einschalten des Martinhornes erst in der Neukruger Straße erfolgen müsse und nicht bereits an den Hallen. Dies, so vermutet Bürgermeister Arne Schuldt, verbessere sogar die Wohnverhältnisse für die bereits angrenzenden Anwohner. Insgesamt, meint Schuldt, sei das Vorhaben eine sinnvolle Sache, da eine innerstädtische Brachfläche, die nur von zunehmender Verbuschung und drohender Vermüllung gekennzeichnet sei, weiter geordnet wird. Mehrere Lärmschutzgutachten seien bereits berücksichtigt worden. Laut Planungsunterlagen wird als eine Konsequenz auch nur eine eingeschossige Bebauung zugelassen. Zudem müssten Ruheräume in den Gebäuden zur von Feuerwehr und THW abgewandten Seite konzipiert werden. Ansonsten ist zur Form der Häuser lediglich die Begrenzung auf 50 Meter Länge vorgeschrieben, steht die Bauweise im Übrigen dem Investor frei. Gut zwei Drittel der Fläche, auf der einst Baracken standen und die als von Schadstoffen unbelastet gilt, werden als reines Wohngebiet ausgewiesen, der Rest in Mischbauweise, passendes Gewerbe ist also ermöglicht.

Trotzdem, wir "sind in der Vergangenheit schlauer geworden", meint Hartmut Reimann (SPD), für den die Bedenken damit nicht ausgeräumt sind. Reimann befürchtet langjährige Rechtstreite wegen des Feuerwehrbetriebs und wohl auch wegen regelmäßiger Feierlichkeiten in deren Räumen. Schon stellt Reimann sich die Frage, ob die Ansiedlung der Feuerwehr an diesem Standort denn eine kluge Entscheidung gewesen sei.

Auch das THW meldete Einspruch an. Eine drei Meter hohe Wand direkt an ihrer Grundstücksseite würde zu einer nicht akzeptablen Verdunkelung von Schulungsräumen führen.

Der Hauptausschuss empfiehlt mehrheitlich das Vorhaben, die Stadtvertretung entscheidet.

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