Missbrauch im Kinderzimmer?

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12. März 2013, 09:36 Uhr

Rostock | In den Schulferien soll er zudringlich geworden sein: Die Jugendstrafkammer des Landgerichts Rostock hat gestern das Strafverfahren gegen den Rostocker Kapitän Thomas D. (43) eröffnet - ihm wird schwerer sexueller Missbrauch von Kindern beziehungsweise Jugendlichen vorgeworfen. Die Rostocker Staatsanwaltschaft beschuldigt den Angeklagten, seinen jetzt 16-jährigen Neffen 48-mal sexuell missbraucht zu haben.

Im Sommer 2007 war das Opfer gerade elf Jahre alt, als sein Vater starb. Wenige Tage nach der Bestattung, am 24. Juni 2007 in Schwerin, begann das Martyrium des Kindes. An diesem Tag missbrauchte ihn sein Onkel im Kinderzimmer das erste Mal, heißt es in der Anklageschrift. In den kommenden Jahren verbrachte der Junge alle Schulferien in Rostock. 39-mal bis zum 3. August 2012 fanden die sexuellen Handlungen, die der Onkel an dem Jungen vornahm oder an sich vornehmen ließ, im Haus des Angeklagten statt.

"Der Jugendliche war nicht in der Lage, das Ansinnen des Onkels abzuwehren", sagte die Vertreterin der Rostocker Staatsanwaltschaft. Sechs Fälle des sexuellen Missbrauch hätten in der Schweriner Wohnung der Schwester des Angeklagten stattgefunden und drei in der häuslichen Umgebung des Opfers in Potsdam. Der Angeklagte machte seinem Neffen großzügige Geschenke und erlaubte zum Beispiel längeres Fernsehen am Abend, was zu Hause nicht geduldet wurde.

Thomas D., der seit dem 4. Oktober 2012 in Untersuchungshaft sitzt, schweigt zu den Vorwürfen. Er war gestern auch nicht bereit, Angaben zu seinem Lebensweg zu machen. Vielmehr ließ er seinen Anwalt sprechen. Und der ging schon vor dem Verlesen der Anklageschrift zum Angriff über. Die Anklageschrift sei in sich widersprüchlich und voller Mängel, behauptete er. Die Anklage würde weiter reichen, als das Opfer überhaupt angegeben habe. Der Verteidiger stellte den Antrag, das Verfahren auszusetzen. Nachdem das zurückgewiesen wurde, verlangte er, die Anklageschrift unter Ausschluss der Öffentlichkeit zu verlesen, was ebenfalls abgelehnt wurde. Nach dem Verlesen der Anklageschrift kam ein weiterer Antrag, nämlich, das Verfahren einzustellen, weil das Landgericht Rostock für diesen Fall überhaupt nicht zuständig sei. Die Anzeige gegen seinen Mandanten sei in Potsdam erfolgt. Die Strafsache müsse an die Staatsanwaltschaft Potsdam übergeben werden, argumentierte er. Die Vertreterin der Rostocker Staatsanwaltschaft konterte: "Der Angeklagte wohnt hier in Rostock und der Ausgangspunkt der Tat und die Vielzahl der Fälle fanden ebenfalls hier statt."

Der Vertreter der Nebenklage, der den 16-Jährigen und seine Mutter vertritt, appellierte an Thomas D., durch eine Aussage seinem Neffen und seiner Schwester, der Mutter des Opfers, die Qual einer Befragung zu ersparen. Aber der Angeklagte blieb bei seinem Nein. Das Verfahren wird am kommenden Freitag fortgesetzt.

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