Theater-Streit : Minister verhängt Theater-Ultimatum

Eigentlich soll am Montag in Schwerin der so genannte Letter of Intent zur Theater-Reform unterzeichnet werden. Doch es könnte sein, dass aus Rostock niemand erscheint. In der Bürgerschaft herrscht bislang Uneinigkeit.

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15. März 2013, 09:39 Uhr

Rostock | Am Montag muss die Theater-Entscheidung fallen: Unterschreibt Rostock den so genannten Letter of Intent von Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD)? Oder lässt die Hansestadt die Verhandlungen über eine mögliche Fusion des Staats- mit dem Volkstheater platzen, noch bevor sie richtig begonnen haben? Hinter verschlossenen Türen haben sich gestern die Fraktionsvorsitzenden der Rostocker Bürgerschaft und Vertreter der Verwaltungsspitze mit dem Kultusminister getroffen. Im Vorfeld der am Montag beginnenden Verhandlungen in Schwerin sollten noch einmal die Positionen geklärt werden. Rostocks Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos) blieb dem gestrigen Minister-Gespräch fern und erklärte, dass er auch am Montag nicht an den Verhandlungstisch kommen werde - schließlich herrsche in der Rostocker Bürgerschaft noch Unein igkeit zum Thema Theater. Brodkorb wäre nach eigenen Aussagen allerdings schon damit zufrieden, wenn am Montag überhaupt Vertreter der Rostocker Verhandlungsgruppe in Schwerin mit am Tisch sitzen würden. Das wären Fraktionsvorsitzende, Vertreter der Verwaltungsspitze oder auch der Theaterleitung. Die Hauptsache sei, so Brodkorb, dass am Ende ein Papier dabei herauskomme, das gegebenenfalls noch in diesem Monat der Rostocker Bürgerschaft zum Beschluss vorgelegt werden kann. Brodkorb macht deutlich: "Es wäre sicher nicht von Vorteil für die Hansestadt Rostock, am Montag fernzubleiben." Irgendwann müsse eine Entscheidung fallen.

Simone Briese-Finke, Fraktionsvorsitzende der Grünen, zeigt sich aufgeschlossen gegenüber einer verbindlichen Absichtserklärung. "Es geht um eine ernsthafte Prüfung von Voll- oder Teilfusion - nicht mehr und nicht weniger." Die Prüfung der Autonomie-Variante durch die Hansestadt bliebe als Option erhalten. Außerdem: "Unsere Verhandlungsposition wird nie stärker sein", betont die Grünen-Chefin. Eva-Maria Kröger, Fraktionsvorsitzende der Linken, hat Bedenken. Sie fürchtet, dass mit der Absichtserklärung die Entscheidung für eine Fusion indirekt schon mitgefällt würde. "Ich habe das Gefühl, es heißt: Wer nicht bereit ist, in den Zug Fusion zu steigen, der braucht auch kein Ticket dafür zu kaufen." Die Links-Fraktion warnt vor den Folgen einer Fusion für das Volkstheater. So auch Dr. Sybille Bachmann, Vorsitzende der Fraktion Rostocker Bund/Graue/Aufbruch 09, die ihre Teilnahme an dem Gespräch mit dem Minister von vornherein absagte. Die Ankündigung des Ministers, Landesmittel für das Volkstheater zu streichen, sollte sich Rostock nicht an den Verhandlungen beteiligen, sieht Bachmann als offene Drohung an. Sie erklärt entschieden: "An dem Wettbewerb um den besten Totengräber des VTR beteilige ich mich nicht."

Derweil ist der vom OB angekündigte Besuch in der Buchhaltung des Volkstheaters ausgeblieben. Methling sagte den Termin ab. Trotzdem hält er an der eingeforderten Informationspflicht seitens der Theaterleitung fest: "Ich halte dies für keineswegs überzogen, sondern für dringend erforderlich." Methling will künftig jede Rechnung aus dem Theater vorgelegt bekommen: "Es geht allein darum, dass die GmbH mit ihrem Etat auskommt."

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