Millionenbetrug: Immer mehr Schwarzarbeiter

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13. Juni 2012, 07:48 Uhr

Schwerin | Auf dem Bau, in Reinigungsfirmen, bei Sicherheitsdiensten, in Speditionen, Hotels, Gaststätten, in Schlachtereien: Trotz Konjunkturhoch blüht in MV die Schwarzarbeit. Im ersten Halbjahr sei eine gleichbleibend hohe Zahl von Verstößen festgestellt worden, erklärte Ralf Bittner, Vizechef der Abteilung Finanzkontrolle Schwarzarbeit beim Hauptzollamt Stralsund. Die Verluste für den Fiskus und die Sozialversicherungen gehen in die Millionen: Allein 8,7 Millionen Euro im vergangenen Jahr, fast eine Million mehr als ein Jahr zuvor. Und es wird immer mehr: So konzentrierten sich die 120 Fahnder in Schwerin, Rostock, Neubrandenburg, Stralsund und Anklam inzwischen vornehmlich auf Großverfahren und die Profiteure der Schwarzarbeit.

Die Betrügereien nehmen kein Ende: So hätten Baufirmen aus MV bei Arbeiten in den alten Ländern ihren Beschäftigten nicht den vorgeschriebenen West-Mindestlohn von 11,05 bis 13,40 Euro gezahlt, erklärte der Fahnder. Auch in Reinigungsfirmen seien in einigen Fällen die geltenden Mindestlöhne von 7,33 bis 8,88 Euro unterschritten und von den Mitarbeitern statt der vereinbarten längeren Arbeitszeiten verlangt worden. Besonders dreist: In einem Fall hielt ein Reinigungsunternehmen in MV Sozialversicherungsträgern 1,1 Millionen Euro vor. Dabei kassierten geringfügig Beschäftigte mit Hilfe von Steuerkarten von Verwandten, die gar nicht in der Firma beschäftigt waren, zusätzlich Schwarzlohn an der Steuer und der Sozialversicherung vorbei. Ermittelt werde in etwa 300 Betrugsfällen.

In Sicherheitsfirmen hätten Arbeitgeber in einigen Fällen den Mitarbeitern bei der Lohnabrechnung kurzerhand die Arbeitsstunden reduziert, um den geltenden Mindestlohn von 7 Euro einzuhalten. "Da wird viel kriminelle Energie aufgebracht", so Bittner - quer durch alle Branchen: "Es geht um Gewinnmaximierung."

Erst vor wenigen Wochen waren bei Baustellenrazzien in MV in jeder zehnten Firma Verstöße festgestellt worden - eine überraschend hohe Zahl, teilte das Hauptzollamt Stralsund mit. Insgesamt hatten die Zöllner im vergangenen Jahr in MV mehr als 20 000 Beschäftigte und 2359 Arbeitgeber überprüft -mit erschreckenden Ergebnissen: Verstöße wurden mit mehr als 1,3 Millionen Euro an Geldstrafen und Bußgeldern geahndet. Zudem seien knapp 7000 Ermittlungsverfahren wegen Straftaten oder Ordnungswidrigkeiten eingeleitet worden.

Der neueste Trend: Es gebe immer mehr Fälle von Scheinselbstständigkeit, erklärte Bittner. Selbstständige Kellnerinnen, Bauhelfer oder Reinigungskräfte aus Bulgarien oder Rumänien - da liege die Vermutung nahe, dass Firmen Sozialabgaben sparen wollten.

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